Plaza
1201 Genève,
Schweiz
Veröffentlicht am 06. März 2026
BUREAU Daniel Zamarbide, Carine Pimenta, Galliane Zamarbide
Projektdaten
Basisdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Es ist eine interessante Koinzidenz, dass die militärische Baueinheit, die als Quonset-Hütte bekannt wurde, ihren Namen aus einem Begriff und einem Ort der First Nations bezieht. Quonset Point ist schlicht die Bezeichnung einer kleinen Halbinsel in Rhode Island, die bis zur Kolonisation von den Algonquin bewohnt wurde. Wäre es zu weit hergeholt anzunehmen, dass die Bedeutung des Wortes im Algonquin – «kleiner, langer Ort» – die Form der vorgefertigten Quonset-Hütte mitbestimmt haben könnte? Schliesslich handelt es sich um eine kleine, längliche und erweiterbare Wohneinheit. Folgt man diesem Gedanken, liesse sich die Struktur gewissermassen als industrielle Variante der verschiedenen Langhäuser der First Nations verstehen: eine Behausung für halbtemporäre Siedlungen, die auf einer Logik der Montage statt der eigentlichen Konstruktion beruht. Die Einheit kann somit als Ergebnis einer «installativen» Haltung betrachtet werden, nicht als Resultat eines konventionellen Bauprozesses. Sie wird für eine Saison aufgebaut oder installiert, danach wieder demontiert und als Bausatz an einen anderen Ort transportiert – verpackt, verschoben und an neuen, möglichen Standorten für Gemeinschaften wieder aufgebaut, während die Jahreszeiten wechseln. In dieser Erzählung erscheint die Quonset-Hütte als transportables Haus, das aus einer autochthonen Bautradition hervorgegangen ist und im militärischen Kontext durch die neuen Metallbiegetechnologien der 1940er-Jahre neu interpretiert wurde. Die hölzernen Bögen und Kork- oder Holzverkleidungen der Langhäuser verwandeln sich in gewellte Metallbleche über Stahlträgern – Elemente, die um die Welt reisen sollten, um Fragmente des Lebens amerikanischer Soldat*innen fern ihrer Heimat zu beherbergen.
Die Plaza Foundation ist eine entstehende Kulturinstitution, die sich dem Kino und der Architektur widmet. Ihr Sitz befindet sich in einem der emblematischsten Gebäude Genfs: einem grossen städtischen Komplex, in dem der Architekt Marc Joseph Saugey eines seiner bedeutendsten öffentlichen Interieurs entwarf – das 1952 eröffnete Cinéma Plaza. Saugey, der sich leidenschaftlich für das Kino und für technologische Innovationen im Allgemeinen interessierte, war ein grosser Bewunderer der amerikanischen Kultur und der industriellen Produktion. Noch bevor das renovierte Kino, das Hotel und das Restaurant im Jahr 2026 eröffnet werden, möchte die Plaza Foundation ihre kulturellen Ideen und ihr Programm durch ein kleines nomadisches Kino präsentieren, das den Geist der Stiftung verkörpert. Das Quonset Plaza nimmt gewissermassen Bezug auf drei unterschiedliche kulturelle Momente und bringt sie miteinander in Dialog: die Langhäuser der Algonquin, die Quonset-Hütten der 1940er-Jahre und schliesslich Saugeys Faszination für amerikanische Vorfertigung und industrielle Technologien der 1950er-Jahre. Im Inneren löst sich ein isolierter Raum bewusst von seiner Umgebung, um Immersion und Konzentration zu ermöglichen – und damit die Erfahrung zu eröffnen, durch das Kino andere Realitäten zu erfassen. Indem das Projekt das Material dieses stereotypen Symbols der nordamerikanischen Landschaft transformiert, wird dessen Identität plötzlich ambivalent: irgendwo zwischen bewohnbarem Modell und Bühnenbild, zwischen Abstraktion und öffentlichem Wohnraum. Ein architektonisches Artefakt? Ein Bild? Eine Fata Morgana?
Das Projekt wurde von BUREAU Daniel Zamarbide, Carine Pimenta, Galliane Zamarbide eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.