Postautowendeplatz und Parkhaus Soglio
7610 Soglio,
Schweiz
Veröffentlicht am 04. April 2026
Ruinelli Associati AG Architetti
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Basisdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Das Projekt «Postautowendeplatz und Parkhaus in Soglio (2025–2026)» beschreibt die geplante Umgestaltung des Gebiets Clüs. Das Projekt interpretiert das Gebiet Clüs als Eingang zu Soglio und bekräftigt damit dessen historischen Wert als Hauptzugang zum Ort. Ziel des Projekts ist es, diesem Ort, der derzeit formal und funktional ungelöst erscheint, eine starke architektonische Identität zu verleihen. Der Planungsansatz versteht die Umgestaltung von Clüs als einen Eingriff durch den Bau eines Gebäudes. Das Projekt hat den Charakter eines territorialen Zeichens und untersucht die Rolle der Architektur bei der Gestaltung des Territoriums. Das Gebiet ist geprägt von einer offenen, weitläufigen Naturlandschaft im Vordergrund und an den Seiten sowie – bergauf – von einer bebauten Landschaft, dem Dorf, das vom Gebiet Clüs aus nicht unmittelbar wahrnehmbar ist. Dennoch greift dessen Präsenz durch den Blick auf den Glockenturm in das Projekt ein. Die Morphologie des Gebäudes folgt den Höhenlinien und erzeugt eine kompositorische Spannung mit dem Turmhaus, indem sie die talseitige Wand an jene des bestehenden Gebäudes und seines Gartens anpasst. Daraus ergibt sich ein klarer, trapezförmiger Umriss, der sich nach Südwesten öffnet, wobei die Ecke direkt an den Abgrund gesetzt wird. So entsteht ein Volumen, das im Boden verankert ist und einen dialogischen Bezug zum Turmhaus herstellt – in einer Beziehung von Gewichten und «umgekehrten» Schwerkraftkräften, als Spiegelbild des Turms, als «Turmspiegelung». Die Überdachung des Parkhauses, in dem die Haltestelle des Postbusses vorgesehen ist, greift das Thema des Platzes auf und verwandelt ihn in einen weitläufigen, gepflasterten Freiraum. Die Einbindung der Natur spielt dabei eine zentrale Rolle, weshalb bewusst auf weitere bauliche Elemente verzichtet wurde. Es entsteht ein Ort zum Verweilen und zur Betrachtung der Landschaft. Seine Typologie ist für Soglio neuartig. Das Projekt nimmt Bezug auf das Thema des Gartens, setzt sich jedoch zugleich davon ab: Durch die Öffnung zur umgebenden Landschaft wird Clüs zu einem zentrifugalen Ort, dessen räumliche Qualitäten jenen eines ummauerten Gartens entgegengesetzt sind. Das Ergebnis ist ein schlichter, offener Raum, der keine andere Funktion erfüllt als den Weg, der zum Ort führt. Dieser verläuft tangential zum Platz und führt über eine Steintreppe direkt ins Dorf, in Achse zum Glockenturm, der die Bewegungen lenkt und anzieht. Der Weg von Clüs ins Zentrum wird so selbstverständlich erfahrbar – fast, als wäre er schon immer da gewesen. Die Fassaden des Gebäudes sind durch einen gleichmässigen Rhythmus aus anthrazitfarbenen Betonfertigteilpfeilern geprägt, die sich mit offenen Schlitzen abwechseln, durch die Licht und Landschaft ins Innere gelangen. Die durchgehende Pfeilerreihe an drei Seiten bildet einen Säulenhof, der als ordnendes Element im Bezug zur Landschaft fungiert und für eine unmittelbare Wiedererkennbarkeit sorgt. Das Projekt präsentiert sich als eigenständiger Beitrag im Kontext. Es ist in seiner Andersartigkeit bewusst ablesbar und strebt keine Nachahmung bestehender Strukturen an. Vielmehr ruft es durch kompositorische Einfachheit und die Wahl der Materialien die charakteristischen Qualitäten und die Atmosphäre von Soglio in Erinnerung: die Schlichtheit seiner Bauten und gepflasterten Strassen, die Mauerwerke und die Steindächer.
Das Projekt von Ruinelli Associati Architetti wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.