Red Pavilion
9490 Vaduz,
Liechtenstein
Veröffentlicht am 13. Juli 2026
Universität Liechtenstein School of Architecture
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Basisdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Das Design Build Studio Red Pavilion wurde im Frühlingssemester 2025 im Rahmen des Erasmus+-Workshops der KU Leuven, der NTNU Trondheim, der Amsterdam Academie van Bouwkunst und der Liechtenstein School of Architecture der Universität Liechtenstein durchgeführt. Betreut wurde das Studio von Carmen Rist, Urs Meister und Livia Herle. Beteiligt waren folgende Studierende: Julien Burghgraeve, Robbe Casteleyn, Hanne Didden, Kristaps Krivads, Salvador Moura, Julie Van Gansbeke, Yukai Wang, Bartolomeo Beccaria, Denisa Mashhadi, Juliet Manrho, Lucas van der Spek, Valeria Parras, Thomas van Beek, Jan Olde Loohuis, Quintie Stam, Emma Ryan, Sebastien van Erp, Jenny Apenes, Espen Arge, Hanna Ekberg, David Ye Weholt, Martine Wang, Johanna Ertsgaard, Husam Atallah, Stacey Brown, Mayra Isabel Del Amo Regidor, Francis Dietz, Ignacio Escoda Romero, Lorin Fidan, Himl Ghani, Melina Heidegger, Arlind Ibrahimi, Moritz Krupp, Danery Mejia Rivera, Tobias Moritz, Joseph Stenz, Arena Sylaj, Merve Toryan, Antonia Trager, Fatih Türeci, Matthias Waldner, Valérie Winkelmann, Velika Kancheva und Christian Meier.
Der Red Pavilion ist ein Design-Build-Projekt auf dem Campus der Universität Liechtenstein. Gemeinsam mit internationalen Studierenden entstand ein vielfältig nutzbarer Pavillon aus regionalem, krumm gewachsenem Holz und Lehm, der nachhaltiges Bauen praktisch erlebbar macht. Der Red Pavilion ist weit mehr als ein Gebäude – er ist ein sichtbares Zeichen für ressourcenschonende Innovation, kreislaufgerechte Zusammenarbeit und experimentelles Bauen im Massstab 1:1 am Campus der Universität Liechtenstein. Im Aussenraum hinter der Universität gelegen, schafft er als Ausschank und Treffpunkt einen attraktiven Ort für die Bewirtung bei Veranstaltungen und ersetzt eine bisher provisorische Infrastruktur durch eine dauerhafte, architektonisch prägnante Lösung.
Entstanden ist der Red Pavilion im Rahmen eines zehntägigen Erasmus+-Workshops und eines daran gekoppelten Entwurfsstudios. Insgesamt wirkten 23 internationale Studierende im Erasmus+-Workshop sowie 21 Studierende im Entwurfsstudio an der Entwicklung und Realisierung des Projekts mit. Dabei wurde der Bauprozess zum Lernraum: Ziel war es, ein experimentelles Labor für hybride Bauweisen mit Holz und Lehm zu schaffen, in dem theoretisches Wissen unmittelbar in die Praxis überführt wird. Durch das gemeinsame Entwerfen, Entwickeln, Konstruieren und Bauen eines realen Projekts – von der ersten Idee bis zur baulichen Umsetzung – erwarben die Studierenden wertvolle Erfahrungen, die weit über den klassischen Universitätsunterricht hinausgingen.
Der Red Pavilion entstand in einem offenen, kollaborativen Design-and-Build-Prozess, bei dem Lehre und Praxis eng miteinander verknüpft waren. Bereits zu Beginn des Erasmus+-Workshops entwickelten die Studierenden in interdisziplinären Teams unterschiedliche Konstruktionskonzepte. Diese Ideen wurden direkt im Massstab 1:1 als Mock-ups und Prototypen erprobt, getestet und kontinuierlich weiterentwickelt. Die überzeugendsten Ansätze bildeten nach einer fachlichen Jurierung die Grundlage für die Realisierung der Gebäudestruktur.
Die Tragstruktur des Red Pavilions besteht aus krumm gewachsenen Hölzern aus den Vaduzer Wäldern oberhalb der Universität Liechtenstein – einem lokalen Rohstoff, der aufgrund seiner Form im konventionellen Holzbau kaum Verwendung findet und üblicherweise als Restholz energetisch verwertet wird. Durch diese innovative Anwendung erhielt dieses krumme Holz eine neue Wertschöpfung und wurde zum prägenden Gestaltungselement des Projekts. Die Studierenden entrindeten und bearbeiteten die krummen Holzstämme selbst, entwickelten daraus die tragende Holzkonstruktion, füllten die Gefache mit einem Gemisch aus Leichtlehm und Stroh und realisierten das Dach mit Holzbrettern. Dadurch entstand ein Gebäude, das traditionelle Baustoffe mit experimentellen Konstruktionsmethoden verbindet und nachhaltige Architektur im Massstab 1:1 erlebbar macht. Der Red Pavilion demonstriert eindrucksvoll, wie regionale Ressourcen, handwerkliches Wissen und innovative Entwurfsansätze zu einer zukunftsweisenden Architektur verschmelzen können.
Charakteristisch für das Projekt war ein «rollender Entwicklungsprozess», bei dem zu Beginn keine fertigen Ausführungspläne existierten. Stattdessen entwickelte sich der Red Pavilion Schritt für Schritt durch Experimentieren, gemeinsames Bauen und kontinuierliche Entscheidungen vor Ort. Alle Beteiligten brachten ihre Ideen, ihr Fachwissen und ihre Kreativität in den Prozess ein. So entstand nicht nur ein innovatives Bauwerk, sondern auch ein Projekt mit gemeinsamer Autorenschaft – ein lebendiges Beispiel dafür, wie kooperative Planung, handwerkliches Arbeiten und akademische Lehre zu einer einzigartigen architektonischen Qualität verschmelzen können.
Welche architektonischen oder städtebaulichen Themen standen im Fokus des Entwurfsprogramms?
Fokus standen kreislaufgerechtes Bauen, ressourcenschonender Materialeinsatz und die Entwicklung eines identitätsstiftenden Pavillons als lebendiger Begegnungsort auf dem Campus der Universität Liechtenstein.
Welche theoretischen oder praktischen Grundlagen bildeten die Basis für die Bearbeitung der Entwurfs- oder Forschungsaufgabe?
Der Red Pavilion verbindet theoretisches Entwerfen und praktisches Bauen im Massstab 1:1 mit der innovativen Nutzung regionaler, krumm gewachsener Hölzer, die üblicherweise als Energieholz verwendet werden. Als Design-Build-Projekt erforscht und demonstriert er das Potenzial dieser lokalen Ressource für zukunftsfähiges, kreislaufgerechtes Bauen.
Welche räumlichen, konstruktiven oder programmatischen Herausforderungen sollten bearbeitet werden?
Das konstruktive Ziel war die Entwicklung einer innovativen Tragstruktur aus regionalem, krumm gewachsenem Holz und deren Ausfachung mit Lehm zu einem funktionalen, programmatischen, offenen, langlebigen und ressourcenschonenden Bauwerk.
Gab es spezifische Rahmenbedingungen oder Einschränkungen, die den Entwurfsprozess beeinflussten?
Die individuellen, krumm gewachsenen Hölzer erforderten für jede Verbindung eine massgeschneiderte Lösung und bedingten handwerkliche Erfahrung. Der damit verbundene hohe Bearbeitungsaufwand erschwerte das Zeitmanagement, während die engen Platzvorgaben auf dem Campus zusätzliche Anforderungen an Planung und Ausführung stellten.
Welche methodischen Ansätze wurden zur Analyse und Gestaltung angewendet?
Der Entwurf entstand in einem kontinuierlichen Dialog zwischen den Erfordernissen von Material, Konstruktion und Handwerk. Die Arbeit mit Skizzen, Modelle, Prototypen und die direkte Umsetzung im Maßstab 1:1 ermöglichten einen forschenden Entwicklungs- und Realisierungsprozess.
Welche Bedeutung hatten Entwurf, Konstruktion, Modellbau und Plandarstellung innerhalb des Projekts?
Entwurf und Konstruktion wurden unmittelbar am Bauwerk gemeinsam überprüft und weiterentwickelt. Modelle, Pläne und Mock-Ups dienten als Werkzeuge, um Ideen zu testen und konstruktive Lösungen zu verfeinern.
Inwiefern wurden experimentelle oder forschende Methoden in den Entwurfsprozess integriert?
Der experimentelle Umgang im Massstab 1:1 mit krumm gewachsenem Holz sowie die Entwicklung einer Holz-Lehm-Konstruktion machten den Entwurfs- und Bauprozess selbst zu einem Forschungs- und Innovationslabor.
Welche weiteren Fachbereiche oder wissenschaftlichen Disziplinen wurden in das Projekt einbezogen?
Das Projekt vereinte Architektur, traditionelles Holzhandwerk, Lehmbau und Verputztechniken zu einem ganzheitlichen Entwicklungsprozess und machte nachhaltige Bauweisen interdisziplinär erlebbar und sichtbar.
Wie beeinflusste interdisziplinäre Zusammenarbeit den Entwurfsprozess und das Ergebnis?
Die enge Zusammenarbeit von Studierenden, Lehrenden und Fachleuten förderte den Wissensaustausch zwischen Theorie und Praxis und führte zu innovativen, materialgerechten Lösungen beim Entwurf und der Realisierung des Red Pavilions.
Welche Herausforderungen oder Vorteile ergaben sich aus der jeweiligen Arbeitsweise?
Der als «rollender» Design-Build-Prozess angelegte Prozess erforderte ein hohes Maß an Flexibilität, Eigenverantwortung und Teamarbeit. Gleichzeitig ermöglichte er schnelle Entscheidungen, unmittelbare Rückmeldungen sowie ein gemeinschaftliches Entwerfen und Bauen als intensiven Lern- und Entwicklungsprozess.
Welche konstruktiven, energetischen oder materialbezogenen Innovationen wurden integriert?
Die Wiederentdeckung regionaler, krumm gewachsener Hölzer als konstruktives Bauelement sowie die Kombination mit Lehm demonstrieren das Potenzial materialbezogener Innovationen und ressourcenschonender, kreislaufgerechter Konstruktionen.
Wie reagiert der Entwurf auf ökologische oder gesellschaftliche Herausforderungen?
Der Red Pavilion zeigt, wie lokale Ressourcen, kurze Transportwege und kreislauffähige Materialien zu einer zukunftsorientierten Architektur beitragen. Gleichzeitig schafft das Projekt einen gemeinschaftlichen Lern- und Begegnungsort und macht materialbezogenes Bauen für Studierende und Besucher unmittelbar erlebbar und sichtbar.
Das Projekt der Universität Liechtenstein School of Architecture wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 in der Kategorie Next Generation eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.