Refresh Shoppingcenter St. Jakob
4052 Basel,
Schweiz
Veröffentlicht am 02. April 2026
Luca Selva AG Architekten ETH BSA SIA
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Basisdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Das im Jahr 2001 fertiggestellte Shoppingcenters St. Jakob Park und die dazugehörigen Verbindungswege werden einem Refresh unterzogen. Insgesamt sind es 4200 Quadratmeter Mall-Fläche und 1036 Quadratmeter Ein- und Ausfahrtsfläche im Parking, welche damit einen neuen Ausdruck erhalten. Das Refresh-Konzept ist untrennbar mit dem aktuellen Nachhaltigkeitsverständnis verknüpft. Die Planung und Umsetzung beinhalten ökologische, ökonomische und soziale Aspekte.
Folgende Punkte werden dazu berücksichtigt:
- Schonung von Ressourcen
- Reduzierung von Emissionen
- Wirtschaftlichkeit
- Verbesserung der Raumqualität / Aufenthaltsqualität
- Verantwortung für zukünftige Generationen
Die bereits in einem Refresh ausgeführte Wandbekleidung in Eichenholz der Shopfronten im Teil Ost bleiben aufgrund der Nachhaltigkeit, des guten Zustands sowie der zeitgemässen Ästhetik erhalten. Im Sinne der einheitlichen Gestaltung wird die Wandverkleidung der Shopfronten in Eichenholz im gesamten Shoppingcenter übernommen. Entsprechend dem Teils Ost, wird im Westteil die bestehende heruntergehängte Akustikdecke in Gips entfernt, so dass die grosszügige Raumhöhe erfahrbar wird. Sämtliche gut erhaltene Deckenelemente werden über einen Bauteilkatalog verfügbar gemacht und bleiben somit im Lebenszyklus. Die Decke und alle in dieser Ebene liegenden Installationen werden in der Farbe «Ultramarin» gestrichen. Dies steht als Synonym für den Himmel und soll eine grosse Tiefe erzeugen. Die Decke wird mit runden Beleuchtungskörpern (LED) bestückt, die mit diffusem und teilweise indirektem Licht eine hohe Aufenthaltsqualität erzeugen. Um eine angenehme, aktivierende Tageslichtwirkung mit Schattenspiel zu erzielen, werden zudem oberhalb den Mietausstellungsflächen Leuchten mit direktem Licht eingesetzt. Die Raumakustik wird mit runden Akustikpaneelen aus rezykliertem (Upcycling) PET aufgewertet und reagiert auf die unterschiedlichen Raumstimmungen. Die Akustikelemente werden in unterschiedlicher Ebene zu den Deckenleuchten gesetzt. Diese Vielschichtigkeit unterstreicht die Tiefenwirkung und die Analogie zum Himmel.
Am Boden treten runde Formen (Intarsien) als frei interpretierte Spiegelungen in Dialog mit der Decke. Der rezyklierte PVC-Bodenbelag wird nicht mit dem Untergrund verklebt und kann nach dem nächsten Erneuerungszyklus einfach wieder demontiert und zu 100 Prozent wieder rezykliert im Materialkreislauf erhalten werden. Die Verbindung beziehungsweise der Zwischenraum der beiden Teile Ost und West im Norden des 1. Untergeschoss mit niedriger Raumhöhe wird mit einer neuen vermietbaren Promotionsfläche mit hochwertiger Theke und Regal ergänzt. Im Teilbereich Ost werden zusätzliche vermietbare Promotionsflächen geschaffen. Die ehemalige Champions Alley wird mit einer neuen Nutzung, den «Working Spaces», attraktive Arbeitsnischen aufgeladen und soll mit einer aktiven Farbgebung einen neuen frischen Ausdruck erhalten. Die Mall wird auf allen Geschossen mit neu konzipierten Sitzmöbeln und grünen Aufenthaltsbereichen ausgestattet und ergänzt. Die aktuell verwendeten Möbel werden in einer ersten Variante umgebaut und mit neuem, hochwertigem Stoff bezogen oder in einer zweiten Variante werden neue Möbel aus den Rohstoffen (massives Eichenholz) der bisherigen Sitzmöbel und der Deckenbekleidung aus Holz erstellt. Die begrünten Zonen mit echten Pflanzen dienen als Erholungsort und geben dem Shopping-Center viel Frische und Bezug zur Aussenwelt. Bei den beiden Haupteingängen werden die Deckenelemente in den Atriumbereichen in das Gesamtkonzept eingebunden. Im Bereich West wird durch Demontage der Verkleidung die Stadiontribüne erlebbar. Die Tribünenuntersicht strahlt Blau und wird mit feinem Linienlicht beleuchtet. Die textile Verkleidung des Atriumtrichters im Bereich Ost wird erhalten und gleich wie das Pendant im Westteil eingebunden - in Blau strahlend und in Szene gesetzt mit feinem Linienlicht.
Kreislaufwirtschaft
Das Einkaufszentrum wird künftig als Bauteillager genutzt, dass das Cradle-to-Cradle-Prinzip verfolgt. Dabei werden sowohl die bestehenden als auch die neuen Bauteile unter Berücksichtigung dieses nachhaltigen Konzepts verwendet. Jedes Bauteil katalogisiert und erfasst. Wir stehen in engem Kontakt mit der Bauteilbörse Basel sowie mit Zirkular, um die nachhaltige Wiederverwendung und den Austausch von Bauteilen zu fördern. Zudem haben wir kleine Unternehmen wie OFF-CUT Basel sowie ein Theater kontaktiert, um Dekorationen wie die Metallbäume oder das Textil, das als Wand- und Deckenbekleidung im Einkaufszentrum verwendet wurde, weiterzuverkaufen oder als Kulisse für ein Theaterstück zu nutzen.
Was passiert mit den demontierten und abgebrochenen Bauteilen?
Alle Bauteile werden erfasst und unter den Aspekten des zirkulären Bauens beurteilt:
- Erhalten
- Nach Ausbau in gleicher Form wiederverwendet
- Nach Ausbau in bearbeiteter Form weiterverwendet
- Nach Ausbau fachgerecht rezykliert
Bauteile, die mit dem geplanten Refresh ausgebaut werden, bleiben im Materialkreislauf und werden nur in Ausnahmefällen fachgerecht entsorgt.
Was passoert mit den neuen eingebauten Bauteilen/ Materialien beim nächsten Refresh?
Alle neu eingebauten Bauteile werden erfasst und unter den Aspekten des zirkulären Bauens beurteilt:
- Erhalten, hohe Qualität verwenden
- Nach Ausbau in gleicher Form wiederverwenden
- Nach Ausbau in bearbeiteter Form weiterverwenden
- Nach Ausbau fachgerecht rezyklieren
Beim nächsten Refresh können sämtliche Bauteile einfach wieder ausgebaut werden.
Besonderheiten des Materialisierungskonzepts
- Cradle-to-Cradle-Prinzip
- Langlebige und standardisierte Baustoffe
- Erhalt hochwertiger Baumaterialien
- Zirkuläres Bauen
- Bedürfnisorientierte Eingriffe
- Flexible Möblierung
- Holz
Das Projekt von Luca Selva Architekten wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.