Resonanzzentrum Peter Roth

 
9658 Wildhaus,
Schweiz

Veröffentlicht am 14. April 2026
Graber Pulver Architekt:innen AG
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026

Umgebung Nordfassade Westfassade Obergeschoss Erdgeschoss Erdgeschoss Untergeschoss Untergeschoss

Projektdaten

Basisdaten

Lage des Objektes
Vordere Schwendistrasse 60, 9658 Wildhaus, Schweiz
Projektkategorie
Fertigstellung
05.2025
Links

Gebäudedaten nach SIA 416

Stockwerke
2
Anzahl Kellergeschosse
1
Grundstücksfläche
205 m²
Geschossfläche
615 m²
Nutzfläche
383 m²
Gebäudevolumen
2470 m³
Gebäudekosten (BKP 2)
3,2 Mio. CHF

Beschreibung

Mit seinem mehrschichtigen Programm bietet das als Holzbau konzipierte Haus Orientierung und Schutz und stellt ein Gefäss bereit für Anlässe und Ausstellungen. Der Austausch, die Gemeinschaft und die Vermittlung der Klangwelt von Peter Roth stehen dabei im Zentrum. Diese Inhalte finden in der Gestalt des Baukörpers, seiner eigenständig konstruktiven Durchbildung und dem rhythmischen Fassadenbild ihren Widerhall.

Architektur
Die dreiecksförmige Parzelle mit sechs Meter Quergefälle in der Kurzone beim Hotel Alpenrose erlaubte eine Gebäudefläche von maximal 200 Quadratmeter. Die Rahmenbedingungen führten zu einer Stapelung des Programms auf drei Geschossen – ein architektonischer Dreiklang – über einer rhombusförmigen Grundfläche. Ein Empfang auf dem unteren Geschoss mit Bezug zum Hotel verbindet sich über eine grosszügige Treppe am südlichen Gebäudeende und über eine Oblichtöffnung mit dem darüberliegenden Seminargeschoss und dem Eingang von der Vorderen Schwendistrasse. Ein Geschoss darüber erstreckt sich ein Ausstellungsraum, der von einem grossen Sparrendach überspannt wird. Ein Lift verbindet alle drei Geschossebenen. Seine spezifische Volumetrie erhielt der Baukörper durch den rautenförmigen Grundriss, der sich – allseitig unterschiedlich – in das Gelände einschreibt und welcher in Kombination mit dem weit auskragenden Satteldach eine markante und einprägsame Figur generiert. Die Fassade wird durch eine horizontale, nach aussen gestufte Schichtung gegliedert und bringt auf diese Weise die Dreiteiligkeit des Programms zum Ausdruck.

Konstruktion
Das Gebäude wurde als Holzständerbau errichtet. Die Skelettkonstruktion aus einzelnen Stützen, Trägern und Sparren wurde mit dazwischen gehängten Holzelementen in der Fassaden- und Dachebene ausgesteift. Über einer geschossweise auf die vorfabrizierten Wandelemente aufgebrachten Lattung wurde die Fassade durch Pfosten rhythmisiert und vertikal mit einem einfachen Deckleistenschirm verkleidet. Die Oberflächen des Holzbaus blieben sowohl innen wie aussen naturbelassen. Verwendung fanden sägerohe oder gehobelte Fichtenbretter und Dreischichtplatten beziehungsweise Treppen und Bodenflächen in Eiche.

Proportion, Harmonie, Resonanz
Es war eine Randbemerkung von Peter Roth, dass auf der Grundlage der harmonikalen Konstruktion die Teile und Formen so in Beziehung gesetzt werden könnten, als wären sie musikalische Intervalle. Waren beispielsweise im antiken Griechenland die harmonischen Obertöne als ganzzahlige Vielfache der Grundfrequenz definiert (Oktave: 2:1, Quinte: 3:2, Quarte: 4:3 und so weiter), so fanden in der damaligen Baukunst die gleichen Zahlenverhältnisse der Längen-, Breiten- und Höhenmasse eines Gebäudes, einer Fassade oder eines Bauteils eine vergleichbar hohe Beachtung.

Spielerisch bedienten wir uns bei der Entwicklung unseres Entwurfs beziehungsweise bei der Präzisierung der Gebäudegeometrie ganzzahliger Massverhältnisse. Diese fanden ihre Anwendung insbesondere bei der Überprüfung der Seitenverhältnisse der rautenförmigen Grundrissfigur sowie der Neigungsverhältnisse des freitragenden Sparrendachs, welche zusammen den Resonanzraum umschreiben. Dabei orientierten wir uns an den Grundsätzen der harmonikalen Architektur, die als Längenmass den «Fuss» (ca. 30 Zentimeter) als Grundeinheit festlegt. An dieser Vorgabe orientiert sich auch die Gliederung der Fassade – das Gebäude erhielt seinen «Klang».

Das Projekt von Graber Pulver Architekt:innen in Zusammenarbeit mit Architektin Martina Hauser wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.

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