Sanierung und Erweiterung Museum Villa Flora
8400 Winterthur,
Schweiz
Veröffentlicht am 02. April 2026
jessenvollenweider architektur ag
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Basisdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Das Projekt zur Erweiterung und Sanierung der Villa Flora in Winterthur bindet an die alte, künftig im Museumsbetrieb nicht mehr notwendige Küche einen Gartenpavillon an und schafft eine neue Eingangssequenz mit Kasse, Shop, Garderobe und kleinem Versammlungsraum, der über den neuen Lift direkt an die historische Treppenanlage angeschlossen ist. Der Hauptraum des feingliedrigen Pavillons ist ein neuer Ort des Treffens und des Austauschs und ein zeitgemässes Pendant zum historischen Gesellschaftsraum von Rittmeyer & Furrer. Der Pavillon schliesst den Garten zur Strasse ab und definiert dabei die neue Eingangssituation, die nicht mehr im beengten Raum an der lauten Strasse, sondern als Einstimmung auf eine stille Sammlung an der intimeren Gartenseite liegt. Er fasst den Garten dadurch gleichzeitig als neues grünes Zimmer, das den inneren Parcours des Hauses nach aussen erweitert und so den räumlichen und atmosphärischen Zusammenhang des historischen Ensembles in seiner grünen Stadtoase offen und erlebbar hält.
Die Sanierung und Erweiterung der Villa Flora stellte die besondere Aufgabe dar, ein privates Wohnhaus in ein öffentliches Museum umzuwandeln, ohne seine gewachsene Identität und Atmosphäre zu verlieren. Das Museum verbindet Kunst, Raum und Alltag, erfüllt moderne Anforderungen an Klima, Sicherheit und Barrierefreiheit und bewahrt die Vielschichtigkeit des historischen Hauses mit seinen Brüchen, Überlagerungen und Eigenheiten. Architektur, Sammlung und Denkmalschutz stehen dabei in engem Dialog. An die alte, künftig im Museumsbetrieb nicht mehr notwendige Küche bindet ein Gartenpavillon an und schafft eine neue Eingangssequenz mit Kasse, Shop, Garderobe und kleinem Versammlungsraum, der über den neuen Lift direkt an die historische Treppenanlage angeschlossen ist. Der Hauptraum des feingliedrigen Pavillons ist als Gartenhalle ein neuer Ort des Treffens und des Austauschs und ein zeitgemässes Pendant zum historischen Gesellschaftsraum von Rittmeyer & Furrer.
Für die Haltung und Idee des Anbaus war das Bild von Henri-Charles Manguin von 1912, in welchem vor der Gartenfassade der Villa Flora eine einfache, blaue Pergola zu sehen ist, schon im Studienauftrag eine Inspiration und Referenz. So ist auch die verglaste Pergola durchgehend in Holz konstruiert und farbig gestrichen in zwei Farben: ein dunkles Blaugrün, das die Farbe der Fenster und Fensterläden des Altbaus aufnimmt, und ein gebrochenes Weiss, das den Pavillon mit den Wandflächen des bestehenden Baukörpers verbindet – in gewisser Weise eine durchaus malerische Strategie der Differenz und Verbindung. Der Pavillon schliesst den Garten zur Strasse ab und definiert dabei die neue Eingangssituation, die nicht mehr im beengten Raum an der lauten Strasse, sondern als Einstimmung auf eine stille Sammlung an der intimeren Gartenseite liegt. Er fasst den Garten dadurch gleichzeitig als neues grünes Zimmer, das den inneren Parcours des Hauses nach aussen erweitert. Er ist kein autonomes Glashaus, sondern als verglaste Pergola ein sich vom Haupthaus in den Garten streckender Innenraum, in den man sowohl hinein wie auch hindurch gehen kann, und hält so den räumlichen und atmosphärischen Zusammenhang des historischen Ensembles in seiner grünen Stadtoase offen und erlebbar.
Die Flora ist heute als Teil des Kunst Museum Winterthur ein öffentlicher Ort, der dennoch in weiten Teilen den Charme des privaten Wohnhauses von Hedy und Arthur Hahnloser bewahrt. Dieser Verwandlungsprozess erstreckte sich über viele Jahre: Von der Lancierung des Studienauftrags bis zur Einweihung der Flora im März 2024 arbeiteten zahlreiche Köpfe und Hände gemeinsam daran, Schritt für Schritt Entscheidungen zu treffen, bis ein Projekt entstand, das heute glaubwürdig einen neu-alten Ort in der Museumslandschaft Winterthurs bildet. Die Bauherrschaft und Auftraggeber hatten dabei einen entscheidenden Einfluss, insbesondere durch Initiierung, Finanzierung und politische Umsetzung. Vertreterinnen und Vertreter der Stadt und des Kantons begleiteten den Prozess über Jahre hinweg, entwickelten gemeinsam das Museumskonzept und setzten sich trotz finanzieller und organisatorischer Herausforderungen für dessen Realisierung ein. Wie viele bisherige Arbeiten des Büros zeigt das Projekt den sensiblen Umgang mit bestehender Bausubstanz. Präzise Eingriffe und gezielte Transformation zeigen, dass Lösungen nicht architektonisch isoliert, sondern mit den sich heute immer weiter spezialisierenden Fachgebieten integral entwickelt, koordiniert und architektonisch umgesetzt werden. «Weiterbauen» als die Aufgabe unserer Zeit.
Im Verlauf der Planung kam es zu Präzisierungen, insbesondere aufgrund von vertieften Erkenntnissen, technischen Anforderungen und der prozessbedingten Weiterentwicklung. Dennoch blieb die grundlegende Idee über den gesamten Prozess hinweg erhalten und wurde schrittweise weiterentwickelt. Aktuelle energetische und konstruktive Anforderungen wurden in das Projekt integriert, ohne gestalterisch in den Vordergrund zu treten. Die notwendigen technischen Massnahmen zur Klimastabilisierung, Sicherheit und Erschliessung wurden so umgesetzt, dass sie möglichst unsichtbar bleiben. Nachhaltigkeit zeigt sich dabei vor allem im Weiterverwenden und Anpassen des Bestands sowie in der langfristigen Denkweise des Projekts. Zum Gelingen der Villa Flora trug nicht ein einzelnes Material bei, sondern das präzise Zusammenspiel verschiedener Strategien: Holz im Pavillon, die Neuinterpretation historischer Tapeten und die sorgfältige Integration moderner Technik. Entscheidend war die zurückhaltende Umsetzung, die den historischen Charakter bewahrt und gleichzeitig einen zeitgemässen Museumsbau schafft. Obwohl auf den ersten Blick nur Tapeten erneuert und ein Anbau hinzugefügt wurden, wurden zahlreiche Massnahmen für Klimastabilität und Sicherheit der Kunstwerke umgesetzt: Das Haus wurde partiell unterfangen, Lüftungsleitungen in bestehenden Schächten geführt, Elektroverkabelungen unsichtbar in Stuckdecken und stoffbespannten Wänden verlegt, und die neuen Fenster sind alarmgesicherte Dreischicht-Sicherheitsverglasungen, die harmonisch in die historische Fassade integriert sind.
Das Projekt von jessenvollenweider architektur wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.