Umbau Haus Khedoori Weber
8000 Zürich,
Schweiz
Veröffentlicht am 15. April 2026
Andreas Fuhrimann Gabrielle Hächler
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Das bestehende zweigeschossige Einfamilienhaus mit unterirdischer Garage befindet sich im durchgrünten Wohngebiet am Zürichberg und wurde vom Bauherrn vorerst mit seiner ersten Familie bewohnt. Das Haus wurde 1964 vom Zürcher Architekten Edwin Schoch als Teil eines Gebäudeensembles gebaut und gilt als Zeitzeuge des Einfamilienhausbaus der Nachkriegsmoderne. Das Umbauprojekt umfasst die Vergrösserung des oberirdischen Gebäudevolumens um 80 Zentimeter gegen Süden, wodurch im Obergeschoss neu vier anstatt wie bisher drei Schlafzimmer untergebracht werden konnten. Damit konnten die Anforderungen für die fünfköpfige Patchworkfamilie für ein Zuhause mit spezifisch auf sie zugeschnittenem Charakter geschaffen werden. Ausserdem wurde für die neue Bewohnerin, die international tätige Künstlerin Rachel Khedoori, eine unterirdische Erweiterung für ein grosszügiges Atelier geschaffen, sowohl energetische Sanierung durch Erdsondenwärmepumpe inkl. Free-Cooling umgesetzt.
Insbesondere der Wunsch der Bauherrschaft nach geschosshohen Fenstern führt zu einem neuen Gebäudeausdruck. Vertikale Drehlamellen aus Aluminium-Hohlprofilen, welche als Sonnenschutz flexibel angeordnet werden, tragen der exponierten Lage gegen Süden Rechnung, die das Haus im Sommer unerträglich aufheizen würde. Der in der Hirnforschung tätige Wissenschaftler und in Metallbau interessierte Bauherr unterstützte die Idee dieser nicht ganz günstigen Massnahme, um der Klimaerwärmung Rechnung zu tragen. Das gesamte Haus wird neu aussen isoliert und mit einer hinterlüfteten, dünnen Aluminiumblech-Fassade eingekleidet, die eine lebendige, leicht wellige Oberfläche bildet. Dies ist eine Hommage an das Aluminium House von A. Lawrence Kocher und Albert Frey erstellt 1931 in Kalifornien, wo Rachel Khedoori länger wohnte. Die Materialwahl und Formensprache, greifen Themen der Architektur der Nachkriegsmoderne auf wie beispielsweise aerodynamische Formen aus der Flugindustrie. Innen werden mehrheitlich einfache, roh belassene Materialien eingesetzt, welche für ein unprätentiöses, jedoch visuell anspruchvolles, ästhetisches Materialkonzept stehen. Die roh belassenen Weissputz Oberflächen der Wände und die Kupferelemente des Cheminées, der Küche und der Griffe der Schreinermöblel lassen Spuren des handwerklichen Prozesses sichtbar und bekommen über die Zeit eine dem Material gerechte Patina. Farbig gestrichene Wände in den Bädern, sowohl farbige Einbaumöbel setzen atmosphärische Akzente. Die Nichtperfektion wird bewusst inszeniert und kann als Kommentar auf die heutige Fixierung auf Perfektion, insbesondere in der Investorenarchitektur, gelesen werden.
Das Projekt von Andreas Fuhrimann Gabrielle Hächler wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.