Wohnhaus Chasseron in Lausanne

 
1004 Lausanne,
Schweiz

Veröffentlicht am 07. Oktober 2026
Burckhardt Architektur AG

Projektdaten

Basisdaten

Lage des Objektes
Chemin du Chasseron 6, 1004 Lausanne, Schweiz
Projektkategorie
Fertigstellung
05.2025
Links

Gebäudedaten nach SIA 416

Anzahl Wohnungen
15
Geschossfläche
1345 m²
Gebäudevolumen
4400 m³

Beschreibung

Vom Quartier zum Wohngebäude 
Bäume, Vorgärten und Stadthäuser aus den 1930er- und 1940er-Jahren säumen die Avenue de la Chablière. An der Ecke zum Chemin du Chasseron, der sich den Hang hinunter zum Genfersee öffnet, erwarb Burckhardt im Jahr 2011 ein Grundstück. Zunächst untersuchte das Entwicklungsteam die baurechtlichen Parameter und analysierte die städtebauliche und demografische Struktur des Quartiers. Anschliessend wurden die Art der Wohnungen, die Qualitätsziele und der Ausbaustandard festgelegt. So verteilen sich insgesamt 15 Eigentumswohnungen auf fünf Geschosse. Damit verdichtet der Baukörper das Quartier und reagiert auf die angespannte Wohnraumsituation Lausannes. Um eine möglichst vielfältige Gemeinschaft unterschiedlicher Bewohnergruppen unter einem Dach zu vereinen, schlug Burckhardt Entwicklungen eine Auswahl von 1,5- bis 3,5-Zimmerwohnungen vor, die den Wohnbedürfnissen der zukünftigen Bewohner gerecht werden. Mit dem Bezug der Wohnungen durch Familien, Paare und Singles wurde die angestrebte Durchmischung erreicht. 

Weiterbauen in der Tradition des Lausanner «Plot»  
Das Projekt steht in der Tradition der «Plots lausannois», einem Wohnbautyp, der Ende des 19. Jahrhunderts in Lausanne entstand. Damals wuchs die Stadtbevölkerung rasant, die Lebensbedingungen im Zentrum verschlechterten sich zusehends. Wohlhabende Bürger drängten an den Stadtrand und errichteten dort schlanke, freistehende Stadtvillen, die sich als Blaupause der Stadtentwicklung erwiesen: Sie linderten die Wohnungsnot und schufen hochwertige Stadträume, durch ihre offene Morphologie bewahrten sie urbane Dichte, während sie die Licht- und Belüftungsverhältnisse in den Wohnungen verbesserten. Fortan begann man, überall in Lausanne «Plots» zu bauen, die bis heute das Stadtbild von Lausanne prägen. Das Wohngebäude Chasseron überführt diese Tradition in die Gegenwart und verweist mit seinen schlanken Proportionen, grossen Fenstern im französischen Stil und der klassischen Fassadengliederung in Sockel, Wohnetagen und Dachgesims auf diese historische Referenz.  

Von der Analyse zur Architektur 
Städtebauliche Setzung und Grundrisse des Neubaus übersetzten die Bedarfsanalyse in Architektur. Der trapezförmige Fussabdruck resultiert aus den stadträumlichen Gegebenheiten: Im Norden folgt der Baukörper dem Rhythmus der Allee, gegen Süden weitet er sich hangabwärts zum Genfersee und bildet eine breitere Fassade mit Balkonen. Das fünfgeschossige Haus ist um ein zentrales, natürlich belichtetes Treppenhaus organisiert, das drei Wohnungen pro Etage erschliesst. Dank der französischen Fenster empfangen alle Räume, einschliesslich der Badezimmer, reichlich Tageslicht und beziehen ihre Umgebung ein. Zur räumlichen Qualität tragen auch die raumhohen Türen und die klare, grosszügige Grundrissgliederung bei. Jede Wohnung erhält darüber hinaus einen Aussenbereich: In den oberen Geschossen gibt es grosszügige Balkone, im Erdgeschoss Terrassen, an die private Gärten anschliessen. In seiner gestalterischen Varianz spiegelt der Freiraum die architektonische Qualität des Projekts wider.  

Kontinuität im gelebten Raum 
Ein Prinzip der durchgehenden Flächen und Linien findet sich im gesamten Gebäude wieder: Vor den Wohnungstüren sind Fussmatten flächenbündig in den Boden eingelegt, die farblich vom Terrazzo zu den raumhohen Wohnungseingangstüren aus Natureiche überleiten. In den Wohnungen verbergen bündig in die Wände eingebaute Garderobenschränke die Steigzonen und Unterverteilungen, sodass die Wände vollkommen homogen wirken. Die Balkone lassen sich durch Sonnenschutzvorhänge in private Aussenbereiche verwandeln: Die Vorhänge umlaufen an einer eingelassenen Schiene die Balkone, in deren Bodenbelag sich der Terrazzo des Eingangsbereichs und des Treppenhauses wiederfindet. Stoffmarkisen in Orangetönen runden die Farbpalette ab. 

Materialien und Details 
Besonderes Augenmerk galt der Materialwahl und den Details. Auf dem Sockelbereich der Fassade aus Sichtbeton ruhen die vier Obergeschosse, deren Fassade aus grobkörnigem, graugrünem Putz durch Gesimse aus sandgestrahltem Beton akzentuiert wird. Ein rot getönter Terrazzoboden erstreckt sich vom aussenliegenden Vorbereich in den Eingangsbereich bis zu den Verteilerebenen des Treppenhauses. Er wurde in situ gegossen und in schmale Messingleisten eingefasst. Zusammen mit den glatten Sichtbetonwänden und Treppenläufen ergibt sich ein harmonisches Gesamtbild, das durch die sorgfältigen Details unterstrichen wird. Alle Elemente gehen ineinander über: von den Stufen des Treppenaufgangs über die Handläufe bis hin zu den Deckenfugen. Jede Fuge setzt sich in der nächsten fort.  

Das Projekt von Burckhart Architektur wurde von Jeannine Bürgi veröffentlicht.

256937428