Arc Mag 2026–1 will Begegnungen stimulieren
Begegnungen stimulieren
Wie sollte Architektur gedacht werden in einer Zeit, in der unsere Aufmerksamkeit immer mehr von Screens absorbiert wird? Öffentlicher Raum war einst ein Ort der Begegnungen, Gespräche und Zufälle – heute sind wir dort meist anwesend abwesend, da unser Fokus fortwährend von der digitalen Sphäre absorbiert wird. Smartphones verbinden uns global; zugleich fühlen sich jedoch immer mehr Menschen den lokalen Gemeinschaften zunehmend entfremdet. Die Herausforderung für die zeitgenössische Architektur liegt darin, jene Formen von Öffentlichkeit neu zu denken, die reale Begegnung stimulieren.
Architektur kann Aufmerksamkeit nicht erzwingen – aber sie lenken. Orte, die zum Innehalten anregen, sollten zu Gegenräumen zur digitalen Diffusion kultiviert werden. Ungewöhnliche Parkanlagen oder Irritationen im Stadtbild – solche Konzepte erzeugen Resonanz. Sie machen aus Durchgangs- wieder Aufenthaltsorte – Räume, in denen das Analoge seine eigene Gegenwart behaupten kann.
Partizipation spielt dabei eine zentrale Rolle. Wenn jeder Bildschirm ein individuelles Fenster zu einer kuratierten Welt ist, muss Architektur neue Formen kollektiver Wahrnehmung ermöglichen. Öffentliche Räume sollten stärker als bisher Plattformen sein – nicht im Sinne von Eventkulissen, sondern als alltägliche Infrastruktur für Begegnungen und Fürsorge. Architektur wird somit im idealen Fall bewusster als soziales Medium aufgefasst, das Zugänglichkeit, Teilhabe und Dialog Raum gibt und in Materialien übersetzt.
Digitale Kommunikation ist flüchtig, Architektur hingegen dauerhaft. Doch auch ihre Nutzung ist nicht statisch. Gebäude und Plätze, die mehrere Rhythmen aufnehmen – Tag und Nacht, Arbeit und Freizeit, real und virtuell – sollten wandelbare Bühnen des Zusammenlebens in Form flexibler Strukturen, temporäre Installationen oder partizipativ bespielbare Flächen sein. Diese Ausgabe widmet sich Architekturen, die auf diese Fragestellungen reagieren: Sie zeigt drei Projekte, die Begegnung und Aufmerksamkeit neu verhandeln, und es beinhaltet ein Interview mit Leopold Banchini, der darüber spricht, wie Architektur Räume der Gemeinsamkeit schaffen kann – jenseits von Nostalgie, aber im Bewusstsein, dass echte Nähe nur im realen Raum erfahrbar bleibt.
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