Arc Mag 2026–3 zeigt, dass Erhalt Fortschritt sein kann

Veröffentlicht am 28. Juni 2026 von
Jørg Himmelreich

Erhalt ist Fortschritt

Im Architekturdiskurs hat sich das Weiterbauen als ethische Leitidee etabliert. Neubau gilt immer seltener als selbstverständliche Antwort auf zeitgenössische Anforderungen und Fragestellungen. Erhalt, Umbau, Umnutzung, Sanierung und das materialbewusste Ergänzen des Bestands werden zunehmend zum primären Ansatz.

Damit Baukultur insgesamt zur Umbaukultur wird, ist jedoch noch einiges zu leisten: Marktlogiken, Baurecht, Investorenmodelle und Bewertungsroutinen der Bauwirtschaft halten die Abriss- und Neubaumaschinerie weiterhin am Laufen. Hier sind die Architekturmedien gefordert, ihren Einfluss künftig noch stärker geltend zu machen. Um diese Transformation zu unterstützen, widmet das Arc Mag dem Thema bereits seit mehreren Jahren jeweils im Spätsommer eine eigene Ausgabe – so auch in der neuen Ausgabe 2026–3.

Auffällig ist derzeit eine Verschiebung in der Legitimation: Wurde das Weiterbauen bislang vor allem über Denkmalschutz, Atmosphäre oder städtebauliche Einfügung begründet, liefert heute die Klimabilanz das stärkste Argument. Zugleich wird es nicht mehr bloss als technische Aufgabe verstanden, sondern als kulturelle und entwerferische Haltung. Reparatur und Fürsorge rücken ins Zentrum einer ethischen Umcodierung. Architekt*innen erscheinen dabei weniger als autonome Formgeber ex nihilo, sondern vielmehr als Akteur*innen, die bestehende räumliche, materielle und soziale Gefüge pflegen, transformieren und weiterentwickeln.

Vor diesem Hintergrund präsentiert die aktuelle Ausgabe fünf Projekte, in denen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft neu zueinander in Beziehung gesetzt werden. Dass es sich – wie bereits in der ersten Ausgabe dieses Jahres – fast ausschliesslich um öffentliche Bauten handelt, ist kein Zufall: Im Zuge der Verdichtungsdebatte erweist sich die Stärkung des öffentlichen Raums als ebenso zentraler Vektor. Wenn weniger neu gebaut wird, gilt es, bestehende Orte und Institutionen zu aktualisieren und zu arrondieren.

So spannt die Ausgabe einen Bogen von Rapperswil über Winterthur und Pratteln bis nach Los Angeles – mit Projekten, die sich als Wissensspeicher und urbanes Kapital lesen lassen: als kollektive Gedächtnisse, als räumliche und materielle Archive von Nutzungen, sozialen Praktiken und kulturellen Einschreibungen.

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