Prix Meret Oppenheim 2026 – Fabrice Gygi, Hilar Stadler und Tilla Theus

 

Szene

Veröffentlicht am 12. Februar 2026 von
Nina Farhumand

Der Prix Meret Oppenheim 2026 geht an drei prägende Figuren der Schweizer Kultur: Fabrice Gygi, Hilar Stadler und Tilla Theus. Ausgezeichnet werden ein künstlerisches Werk zwischen Kontrolle und Freiheit, ein eigensinniger Museumsbau sowie eine Architektin, die seit Jahrzehnten Massstäbe setzt. Mit der Ehrung würdigt das Bundesamt für Kultur (BAK) drei Lebenswerke, die sich durch Konsequenz, Haltung und nachhaltige Wirkung auszeichnen – und die Kunst, Architektur und Vermittlung in der Schweiz auf je eigene Weise geprägt haben.

Fabrice Gygi | Foto: Yumna Al-Arashi © BAK
Hilar Stadler | Foto: Yumna Al-Arashi © BAK
Tilla Theus | Foto: Lukas Lienhard © BAK

Die Ausgezeichneten im Porträt

Ästhetik der Kontrolle

Fabrice Gygi (*1965, Genf) untersucht, demontiert und reinszeniert die Mechanismen von Macht, Kontrolle und Autorität. Er entwickelt ein Werk, das sich aus dem Vokabular von Sicherheits- und Überwachungssystemen speist: Panzersperren, Zelte, Planen, Regale oder Sandsäcke werden bei ihm zu skulpturalen Setzungen. Geprägt von der alternativen Hausbesetzerszene, verknüpft Gygi politische Erfahrung mit formaler Strenge. Seine Arbeiten verweigern einfache Lesarten und inszenieren ein dauerhaftes Suchen nach Auswegen – nach Beweglichkeit innerhalb rigider Systeme. Das Bundesamt für Kultur spricht in diesem Zusammenhang von einer «Ästhetik des Entkommens», die Gygi konsequent entwickelt. International sichtbar wurde diese Haltung unter anderem mit der Installation Vigie, einem zwölf Meter hohen Überwachungsturm, den Gygi 2002 an der Biennale von São Paulo präsentierte, wo er die Schweiz vertrat. Auch an der Biennale von Venedig 2009 untersuchte er mit raumgreifenden Installationen die Ambivalenz von Schutz, Kontrolle und Zuflucht. Seine Arbeiten wurden in grossen Einzelausstellungen in der Schweiz und international gezeigt und bewegen sich souverän zwischen politischer Reflexion, künstlerischer Autonomie und öffentlichem Raum.

Erfinder des zeitgenössischen Heimatmuseums

Hilar Stadler (*1963, Luzern) leitet seit 1996 das Museum im Bellpark in Kriens und hat dessen Profil nachhaltig geprägt. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Haus zu einem zeitgenössischen Heimatmuseum, das lokale Geschichte ebenso selbstverständlich verhandelt wie internationale Positionen aus Kunst, Fotografie und Architektur. Stadlers kuratorische Arbeit prüft das Alltägliche und verschiebt historische Materialien in neue Kontexte. Ausstellungen zu Autobahnen, Bunkern oder Alltagskulturen stehen gleichberechtigt neben künstlerischen und architektonischen Positionen. Wie das Bundesamt für Kultur festhält, ist die Identität des Museums untrennbar mit Hilar Stadler verbunden. Heute gilt das Museum im Bellpark als Ort, an dem sich gesellschaftliche Fragestellungen und künstlerische Forschung auf selbstverständliche Weise verbinden – getragen von einer konsequent entwickelten kuratorischen Haltung. Stadler hat das Museum im Bellpark zu einer Referenz für eine ortsbezogene, zugleich international anschlussfähige Museumsarbeit gemacht.

Konsequente Wegbereiterin

Die Auszeichnung von Tilla Theus (*1943, Chur) ist in mehrfacher Hinsicht ein historischer Moment: Erstmals wird mit dem Prix Meret Oppenheim eine Architektin geehrt, die ihr eigenes Büro führt – und dies seit 1969. Unbeirrbar, selbstbewusst und ohne falsche Bescheidenheit verfolgt Theus seit Jahrzehnten ihren eigenen architektonischen Weg. Ihr Werk umfasst zahlreiche Um-, An- und Neubauten, viele davon prägend für ihre Zeit und insbesondere für die Stadt Zürich. Zu ihren bekanntesten Arbeiten zählen der Umbau des Hotel Widder am Rennweg, der Anbau an die Rathauswache an der Limmat, der FIFA-Hauptsitz beim Dolder, der Hofeinbau im Jelmoli sowie die jüngste Sanierung des Leuenhofs an der Bahnhofstrasse. Auch ausserhalb der Grossstadt setzte sie Akzente: Für das Drei-Häuser-Hotel Caspar in Muri erhielt Tilla Theus und Partner 2024 den Prix Lignum Gold. Theus gilt als Schlüsselfigur der Schweizer Postmoderne, zugleich entzieht sich ihr Werk einfachen stilistischen Zuschreibungen. Es zeichnet sich durch einen präzisen Umgang mit Bestand, Material und Massstab aus – und durch eine Haltung, die architektonische Qualität stets über modische Trends stellt.

Prägende Stimmen der Schweizer Kulturlandschaft

Der Prix Meret Oppenheim lenkt auch 2026 den Blick auf die Vielfalt und Qualität des künstlerischen Schaffens in der Schweiz. Die Auszeichnung macht Positionen sichtbar, die weit über den nationalen Kontext hinaus wirken und die hiesige Kunst- und Kulturlandschaft nachhaltig prägen. Verliehen wird der Preis am 15. Juni 2026 im Rahmen der Eröffnung der Swiss Art Awards in Basel.

Schweizer Grand Prix Kunst / Meret Oppenheim 2026

Ausstellung Swiss Art Awards: 16.–21. Juni 2026

Preisverleihung: 15. Juni 2026

Ort: Messe Basel, Halle 1.1

Eintritt: frei

Weitere Informationen
209211500