Erweiterungsneubau LGT Bank
9490 Vaduz,
Liechtenstein
Veröffentlicht am 05. November 2026
Fischer Architekten AG
Projektdaten
Basisdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Der Erweiterungsneubau für die LGT Bank in Vaduz ist Teil der Kernzone, in der hauptsächlich Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe angesiedelt sind. Trotz seiner relativen Grösse fügt sich das Gebäude gut in die dichte und kleinmassstäbliche Bebauung ein. Der Entwurf besteht aus einem fächerartigen Volumen mit drei zueinander höhenversetzten Fingern, die parallel zum Hang liegen. Im Strassenraum tritt das Gebäude jeweils nur partiell in Erscheinung und nimmt dort Rücksicht auf die vorherrschenden Gebäudehöhen und Fassadenlängen.
Das Gebäude ist ein konstruktiver Holzbau mit vorgehängter Holzfassade. Die Aussteifung erfolgt über die Treppenhäuser aus Beton und, wo erforderlich, über zusätzliche Wandscheiben an den Gebäudeenden. Das primäre Tragsystem besteht aus Stützen und Querträgern aus Eschenholz, worauf eine sekundäre Tragstruktur aus Nadelholzträgern liegt. Ein schlanker Überbeton komplettiert die hybride Deckenkonstruktion. Der Baustoff Holz und das korrelierende Tragsystem bestimmen auch im Innenraum die Atmosphäre: Indem die Decken bewusst von Technik und Akustikmassnahmen freigespielt wurden, bleibt der konsequente Raster aus Pfosten und Trägern sichtbar. Zwischen den Unterzügen sind die Decken mit für die Heizung und Kühlung aktivierten Lehmplatten versehen und mit Lehm verputzt, was die Regulation des Wärme- und Feuchtigkeitshaushalts unterstützt.
Die Fassade besteht aus braun druckimprägnierter Weisstanne und besitzt angesichts der häufigen Föhnwinde in Vaduz bewusst keinen aussenliegenden Sonnenschutz. Dass die Räume trotz guter Tageslichtnutzung im Sommer nicht überhitzen, ist wesentlich der Ausrichtung der Baukörper und der Fassadenöffnungen zu verdanken: Zum einen weisen die für die direkte Sonneneinstrahlung empfindlichen Fassaden im Osten und Westen einen geringeren Fensteranteil auf, zum andern sorgt die Tiefe der engen Rasterfassade für eine natürliche Beschattung gegen tief einfallendes Streiflicht.
Trotz der beachtlichen Nutzfläche belässt das Projekt in der dicht bebauten Umgebung attraktive und durchlässige Freiräume. Bestehende Fusswege wurden in die Landschaftsgestaltung eingebunden und bleiben der Öffentlichkeit zugänglich. Das Konzept von Vogt Landschaftsarchitekten greift die nacheiszeitliche Sedimentlandschaft des Rheintals auf und erzeugt mit Findlingen, lose geschichtetem Felsmaterial und dichten Gehölzgruppen eine alpine Atmosphäre. Die doppelte Zertifizierung durch die umfassenden Nachhaltigkeitslabels LEED Platin und SNBS Gold setzte voraus, dass Themen wie Ressourceneffizienz, integrale technische Systeme, Emissionsfreiheit der Materialien sowie Systemtrennung, Rückbaubarkeit und lokale Holzbeschaffung von Anfang an im Fokus standen.
Das Projekt wurde von Fischer Architekten eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.