MUBA
4051 Basel,
Schweiz
Veröffentlicht am 01. April 2026
Jaeger Koechlin BSA SIA
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Das traditionsreiche Haus «Zur Eych», dessen erste urkundliche Erwähnung auf das Jahr 1350 zurückgeht, prägt mit seiner spätmittelalterlichen Fassade seit Jahrhunderten das Strassenbild. Markante Zwillings- und Drillingsfenster zeugen von einer vielschichtigen Baugeschichte, die durch zahlreiche Erweiterungen, Umnutzungen und gestalterische Eingriffe über die Jahrhunderte hinweg geprägt wurde. Das Gebäude ist damit ein vielschichtiges Zeugnis historischer Entwicklungen und baulicher Transformationen. Im Zuge des umfassenden Umbaus stand die sorgfältige Auseinandersetzung mit der komplexen Gebäude- und Grundrissstruktur im Mittelpunkt der Planung. In enger Abstimmung mit der Denkmalpflege wurde das Haus zunächst einer detaillierten architektonischen Analyse unterzogen. Ziel war es nicht nur, historische Substanz zu erhalten, sondern auch verborgene räumliche Qualitäten wieder sichtbar zu machen. Spätere Überformungen – etwa ein Heizkamin aus dem Jahr 1945 – wurden gezielt zurückgebaut, um ursprüngliche Raumbezüge und räumliche Grosszügigkeit wieder erlebbar zu machen. Die neue Raumorganisation ermöglicht heute eine flexible Nutzung und unterschiedliche Wohnszenarien.
Besonderes Augenmerk galt den historischen Ausstattungsmerkmalen. Die barocke, kunstvoll bemalte Balkendecke in den östlichen Räumen wurde sorgfältig restauriert, sodass ihr malerischer Ausdruck wieder vollständig zur Geltung kommt. Auch die Eichentreppe aus derselben Zeit wurde behutsam saniert: Bestehende Elemente wurden neu ausgerichtet, fehlende Teile sichtbar ergänzt, sodass die Treppe weiterhin als skulpturales und prägendes Element des Hauses wirkt. Neue architektonische Eingriffe wurden bewusst auf die vorhandene Substanz abgestimmt. Proportion, Materialwahl und Ausführung orientieren sich an der historischen Bausubstanz und interpretieren diese zurückhaltend in zeitgemässer Form. Ein neuer Kachelofen wurde beispielsweise als skulpturales Element in die Räume integriert und greift gleichzeitig den historischen Bezug des Hauses auf. Neben den denkmalpflegerischen und gestalterischen Massnahmen wurde das Gebäude technisch umfassend erneuert. Die Heiztechnik wurde von Gas auf Fernwärme umgestellt, historische Fenster erhielten moderne Vakuumverglasungen, ohne ihren authentischen Ausdruck zu verlieren. Feuchte Kellerbereiche konnten mithilfe von Elektroosmose dauerhaft getrocknet werden.
Die Planung folgt konsequent der Haltung des einfachen Bauens. Eingriffe wurden gezielt priorisiert, bestehende Qualitäten genutzt und Komfortanforderungen kritisch hinterfragt. Spuren und Flickstellen der Baugeschichte bleiben bewusst sichtbar und tragen zur räumlichen Differenzierung bei. Historische Holz- und Zementböden aus unterschiedlichen Epochen wurden geschliffen, ergänzt und weiterverwendet, Täferwände erhielten eine abgestufte, helle Farbgebung. Fenster aus dem Jahr 1750 konnten in Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Fensterbauer ertüchtigt werden, sodass sie heutigen Anforderungen entsprechen, ohne ihre historische Wirkung zu verlieren. So entsteht ein Wohnhaus, das historische Substanz bewahrt und zugleich zeitgemässe Wohnqualität ermöglicht – ein präzises Zusammenspiel von Geschichte und Gegenwart.
Das Projekt von Jaeger Koechlin wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.