Neubau Gewerbehaus KST
8840 Einsiedeln,
Schweiz
Veröffentlicht am 11. August 2026
Hasler Limacher Architekten GmbH
Projektdaten
Basisdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
2008 in Einsiedeln gegründet, ist KST kontinuierlich gewachsen und hat weitere Produktionsstandorte aufgebaut. Der Neubau im Einsiedler Kobiboden, konzipiert von Hasler Limacher Architekten und realisiert mit Hubli Landolt Baumanagement, bündelt diese Kompetenzen unter einem Dach. Dadurch sollen sich Logistikaufwand und betriebsbedingte Emissionen verringern. Zugleich bietet das «Home of Comfort» ein zeitgemässes Arbeitsumfeld, Kompetenzzentrum und Begegnungsort für Mitarbeitende.
Entwurfsidee
Entscheidend für die Architektur von Hasler Limacher Architekten waren die internen Abläufe und die Optimierung der betrieblichen Anforderungen. Darum wurde das Gebäude von innen nach aussen entwickelt. Dem trägt das architektonische Konzept Rechnung. Konsequent folgt die Form der Funktion, die sich aus dem klar strukturierten Aufbau einer Manufaktur, vollautomatischen Fertigungslinie sowie grossem Bedarf an Lagerfläche und gut zugänglicher Anlieferung ergibt. Andererseits übernimmt der Neubau eine repräsentative Rolle und spiegelt den Qualitätsanspruch sowie die Innovationskraft der KST wider.
Architektur und Materialisierung
Die verglaste Auskragung markiert den Haupteingang. Hinter diesem architektonischen Akzent befinden sich die Büroräumlichkeiten mit Besprechungs- und Aufenthaltsräumen sowie das Atelier für die kreative Arbeit. Das farblich von den unteren abgehobene Attikageschoss wie auch der Rücksprung an der Südfassade, der die Länge des Hochregallagers definiert, reduzieren die volumetrische Präsenz des Gebäudes. Ein lebendiges Spiel zwischen der Fassade aus Zackenblech und Licht verleiht dem Gebäude je nach Tageszeit eine dynamische Ausstrahlung – mal tief schwarzgrau, mal silbrig glänzend. Horizontale Fassadenbänder auf Fensterbankhöhe sowie die gleichmässige Fensterverteilung gliedern die Flächen. Diese beiden Gestaltungsmerkmale lassen das Gebäude trotz seines Volumens leicht und optisch zurückhaltend erscheinen. Hinter der fensterlosen Westfassade befinden sich das Hochregallager mit 126 Lagerplätzen sowie die Anlieferung mit direkter Rampenanbindung. Das computergesteuerte Regalbediengerät verwaltet verschiedenste Ladungen: von genormten Paletten und Rollwagen bis hin zu überlangen Rohmaterialien wie Aluminium-Strangpressprofile oder Coils mit aufgewickelten Kupferrohren.
Im Innern ist das kaskadenförmig zurückspringende Treppenhaus identitätsstiftend für den Neubau. Geschoss für Geschoss bewegt sich die Treppe weg von der Fassade und lädt Besucher ein, dem architektonischen Auftakt zu folgen und das Gebäude zu erkunden. Offene, transparente Raumstrukturen sowie warme Grau- und Brauntöne prägen das Erscheinungsbild. Schwarze Akzente im Büro- und Besucherbereich sowie Azurblau in der Manufaktur setzen gezielte Kontraste zur groben Oberflächenstruktur des rohen Betons und des feinen, naturbelassenen Eichenholzes. Kurze Wege fördern den Austausch, und unterschiedlich grosse Besprechungsräume unterstützen teamübergreifende Projekte. Die eng verzahnten Prozesse von Vertrieb, Engineering, Produktion und Projektbetreuung greifen reibungslos ineinander und stärken die Zusammenarbeit zwischen handwerklichen und gewerblich-technischen Tätigkeiten sowie akademischen und kaufmännischen Aufgabenfeldern.
Energiepark und Raumklimatisierung
Als ganzheitliches Energie- und Technologiehaus konzipiert, erfolgt der Gebäudebetrieb frei von fossilen Brennstoffen. Das Heizen und Kühlen erfolgt über Energiepfähle, die zusammen mit der Photovoltaikanlage die Grundlage der thermischen und elektrischen Energieversorgung bilden. Zugleich agieren sie in ihrer zweiten Funktion als kombinierte Pfahl-Plattengründung, welche die statische Tragfähigkeit des Gebäudes gewährleistet. Die mit dem Energiepreis 2025 der Energiestadt Einsiedeln preisgekrönte Weltneuheit «CoolShift» bildet den zweiten Baustein des Energiekonzepts. KST griff dafür den Ansatz einer Forschungsidee auf und entwickelte das System für die praktische Anwendung weiter. Ausgerüstet mit einem Photovoltaikmodul für die Stromerzeugung auf der einen Seite und einem Emittermodul für die Gebäuderückkühlung auf der anderen Seite, nutzt «CoolShift» die natürliche Ressource «Himmel». In Kombination der thermischen Bauteilaktivierung und eigenen Produkten erfolgt so die Raumklimatisierung. Auf diese Weise entsteht ein flexibel steuerbares Raumklima, das optimal auf die jeweiligen Anforderungen abgestimmt werden kann. Eine kontrollierte Lüftungsanlage stellt die Frischluftversorgung sicher. Sämtliche HLKK-Systeme sind über eine zentrale Gebäudeautomation miteinander vernetzt, welche den Betrieb laufend optimiert und die einzelnen Komponenten effizient aufeinander abstimmt.
Mit dem Neubau haben Hasler Limacher Architekten einen vielschichtigen Monolithen geschaffen, der für KST weit mehr als ein Unternehmensstandort ist. Das Home of Comfort vereint Entwicklung, Engineering, Produktion und Anwendung unter einem Dach und wird zum gebauten Ausdruck der Unternehmensphilosophie.
Das Projekt wurde von Hasler Limacher Architekten eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.