Schullandschaft Stalden
3510 Konolfingen,
Schweiz
Veröffentlicht am 26. März 2026
Ernst Niklaus Fausch Partner AG
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Basisdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Vier Häuser – zwei Lauben – ein Dach
Die Schullandschaft Stalden bespielt die ortsprägende Topografie und tritt an der Hübelistrasse eingeschossig, im Hof zweigeschossig und an der Thunstrasse dreigeschossig in Erscheinung. Dabei entstehen auf allen Ebenen direkte Zugänge in die drei unabhängigen Schulcluster mit jeweils acht Schulzimmern sowie in den Allgemeincluster mit Aula und Tagesbetreuung. Diese vier «Häuser» sind über zwei Lauben und eine gemeinsame Dachlandschaft miteinander verbunden. Zum Hof treten die Häuser mit vier Treppentürmen in unterschiedlichen geometrischen Grundformen in Erscheinung, welche vom Hof bis auf die Dachterrasse führen. Die Formen unterstützen dabei zusammen mit der Farbgebung pro Haus die Orientierung und die individuelle Adressbildung in der gesamten Schullandschaft. Im Innern sind alle Cluster über eine zentrale Treppenhalle organisiert und belegen jeweils ein Kreissegment der Schullandschaft. Eine architektonisch als Möbel ausformulierte, skulpturale und als Sitzkreis nutzbare Treppe verbindet die beiden Geschosse. Das gesamte Gebäude ist modular aufgebaut. Die Tragelemente bestehen aus vorfabrizierten Betonstützen und über die gesamte Gebäudetiefe durchlaufenden Trägern. Die Erdbebenaussteifung erfolgt durch radiale Sichtbetonwände zwischen den Segmenten. Alle Wände, Treppen und Einbauten sind Ausbauelemente und lassen somit Flexibilität für zukünftige Entwicklungen zu. Die innere Materialisierung unterstreicht den Ateliercharakter der Lernlandschaft und bildet den architektonischen Rahmen für das pädagogische Konzept. Die Träger und Stützen bleiben sichtbar, dazwischen sorgen naturbelassene Holzwollplatten für eine angenehme Raumakustik, die Böden in Hartbeton unterstützen als Speichermasse das Konzept der Nachtauskühlung. Während für die runden Trennwände transluzentes Profilit eingesetzt wurde, sind alle weiteren Einbauten und Türen aus Holz gefertigt. Als Teil des Farbkonzepts ermöglichen Vorhänge die Regelung von Blickbeziehungen und Raumstrukturen. Die Fassaden werden schichtweise aufgebaut und bilden so den sich verändernden Schulalltag ab. In die selbsttragende Stahlkonstruktion der Laubenschicht sind für jeden Cluster Treppenanlagen integriert. Ein textiler Sonnenschutz bespielt aussenseitig die Lauben. Die Fassade als Pfosten-Riegel-Konstruktion mit Alufensterrahmen nimmt sich gegenüber der Laubenschicht gestalterisch zurück. Dahinter bilden farbige Vorhänge die innere Fassadenschicht. Durch das Zusammenspiel dieser Schichten entsteht nach aussen und nach innen ein vielfältiges Bild des Lebens in der Schullandschaft Stalden.
Was ist das Besondere an der Bauaufgabe?
Das Besondere war die Ausgangslage, dass die Gemeinde Konolfingen ihre gesamte Primarstufe räumlich und pädagogisch neu ausrichten wollte und dafür an einem zentralen Standort ein Projekt ausschrieb. Schlussendlich ging es also darum, der gesamten Primarstufe eines Ortes ein neues architektonisches Gesicht zu verleihen.
Welche Überlegungen liegen diesem Projekt zugrunde?
Idee war, innerhalb der klaren, prägnanten Gesamtform gut funktionierende kleinere Einheiten (Cluster) mit eigener Infrastruktur und separaten Eingängen zu schaffen – für den Schulbetrieb von zentraler Bedeutung. Das übergeordnete Konzept, das sich aus der radialen Geometrie ableitet, verleiht den einzelnen Einheiten Struktur und Orientierung. Gemeinsam genutzt werden das räumlich ähnlich organisierte Allgemeincluster und die vielfältigen Aussenräume, darunter der geschützte Spielhof in der Mitte des Gebäudes.
Welche Rolle hatten Standort und Bestand auf den Entwurf?
Für uns wesentlich war die sanfte Topografie des Grundstückes, die wir dazu nutzten, auf allen drei Ebenen des Schulhauses Eingänge zu schaffen und so das Schulhaus mit der Umgebung zu verweben. Die vierte Ebene des Schulhauses ist der gemeinsame Dachgarten, der den Blick über den leichten Hügel in die Weite der Landschaft ermöglicht. Das bestehende benachbarte Schulhaus musste während der Bauphase immer in Betrieb bleiben und nimmt nun in der Gesamtanlage die Kreativwerkstätten auf.
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen das Projekt beeinflusst?
Dem Wettbewerb ging auf Seiten der Bauherrschaft eine lange und intensive Diskussion über die pädagogische Ausrichtung der Schule voraus, was in einem sehr präzisen und gleichzeitig flexiblen Raumprogramm mündete. Dies hatte einen grossen Einfluss auf das umgesetzte Projekt.
Wie fügt sich das Gebäude in die Reihe der bisher realisierten Bauten Ihres Büros?
Wir haben in unserem Büro bereits über zehn Schulbauten neu- oder umgebaut. Bei allen Schulbauten interessiert uns das Schaffen einer pädagogisch inspirierenden architektonischen Umwelt. Beim Projekt in Konolfingen sind wir diesem Anspruch besonders konsequent gefolgt: Aus dem pädagogischen Konzept heraus entstand ein architektonisches Gerüst, das flexibel genutzt und unterschiedlich bespielt werden kann.
Gab es Richtungsänderungen vom ersten Entwurf bis zum fertigen Gebäude?
Nein, es gab keine grundsätzlichen Änderungen, da die Bauherrschaft von Beginn an vom Projekt sehr überzeugt war. Hingegen gab es Verzögerungen aufgrund einer Baurechtseinsprache, welche schliesslich vollumfänglich abgewiesen wurde.
Haben aktuelle energetische oder konstruktive Trends das Projekt beeinflusst?
Das Gebäude erfüllt strenge energetische Anforderungen in Erstellung und Betrieb, ohne ein Label anzustreben. Zentral sind dabei drei Prinzipien: ein minimaler Einsatz von Haustechnik, eine konsequente Systemtrennung und das Zeigen der Materialien und somit der weitgehende Verzicht auf Verkleidungsschichten.
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg Ihres Bauwerks beigetragen?
Das Hauptthema in den Innenräumen liegt auf der starken Präsenz der Materialien selbst: Holz, Beton, Metall, Glas – ergänzt mit farbigen Textilien. Nach aussen hin prägt die Stahllaube mit integriertem textilem Sonnenschutz die Erscheinung wesentlich.
Das Projekt von Ernst Niklaus Fausch wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.