Transformation Reihenhaus Bachtobelstrasse
8045 Zürich,
Schweiz
Veröffentlicht am 19. Januar 2026
RAUMTAKT GmbH
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Ausgangssituation
Das um 1890 entstandene Reiheneinfamilienhaus in Zürich-Wiedikon ist Teil einer geschlossenen Reihenhauszeile, deren verputzte Fassaden, Fensterläden und Steildächer das Quartier bis heute prägen. Die Bausubstanz war trotz Alterung in weiten Teilen erhaltenswert, verlangte jedoch nach einer grundlegenden statischen und energetischen Ertüchtigung. Der setzungsempfindliche Uetliberglehm bildete eine zentrale technische Herausforderung und machte eine substanzielle Verstärkung der Fundation notwendig.
Entwurfsidee
Das Projekt versteht sich als Weiterbauen im Bestand und bewusst nicht als formale Neudeutung. Eingriffe werden gezielt dort vorgenommen, wo sie konstruktiv geboten oder räumlich besonders wirksam sind. Bestehende Strukturen und Details bleiben lesbar; neue Elemente werden klar als zeitgenössische Schicht ausgewiesen. Die neue, filigrane Stahltreppe bildet das zentrale vertikale Erschliessungselement und markiert den einzigen deutlich ablesbaren Bruch mit der historischen Substanz.
Bauaufgabe / Setzung
Neunzehn Mikropfähle in Verbindung mit einer neuen Stahlbetonplatte sichern das Gebäude im problematischen Baugrund und bilden die Grundlage für die weitere Erneuerung. Im Innern werden Holzbalkendecken partiell erneuert und statisch verstärkt, um heutigen Anforderungen zu genügen. Die Grundrisse des schmalen Volumens werden so neu organisiert, dass grosszügigere Wohnzonen mit direkter Gartenanbindung entstehen: Im Erdgeschoss verbessern angepasste Fensteröffnungen und grossflächige Verglasungen das Tageslichtangebot und ermöglichen einen fliessenden Übergang zwischen Innen- und Aussenraum. Ergänzend eingefügte Nasszellen erhöhen den Wohnkomfort, ohne die vorhandene Struktur zu negieren.
Energetische und konstruktive Tendenzen
Wärmedämmverputz, dreifach verglaste Fenster und eine verbesserte Dach- und Gebäudehüllendämmung bilden zusammen mit einer Luft-Wärmepumpe ein konsistentes energetisches Konzept. Die konstruktive und energetische Ertüchtigung erfolgt primär im Innern; nach aussen manifestiert sie sich in einem ruhigen, präzise gefassten Fassadenbild, das die Typologie der Reihenhauszeile respektiert. Das Projekt zeigt, wie ein historisch geprägtes Wohnhaus mit gezielten Eingriffen strukturell stabilisiert, energetisch aktualisiert und räumlich geöffnet werden kann, ohne seine Einbindung in das bestehende Stadtgefüge zu verlieren.
Die Besonderheit der Bauaufgabe liegt im Weiterbauen eines schmalen Reihenhauses aus dem späten 19. Jahrhundert unter anspruchsvollen geologischen Bedingungen. Der setzungsempfindliche Uetliberglehm machte eine tiefgreifende Ertüchtigung der Fundation notwendig, während der stadträumlich prägende Altbaucharakter der Reihenhauszeile erhalten bleiben sollte. Der Entwurf reagiert darauf mit einer Haltung der präzisen Intervention: Eingriffe erfolgen dort, wo sie statisch zwingend oder räumlich besonders wirksam sind, und bleiben im Dialog mit der vorhandenen Bausubstanz.
Standort und Bestand bestimmten den Entwurf in hohem Mass. Die enge Parzelle, die starke Bindung an die Nachbarhäuser und die Fassadengestalt liessen keine formale Neudeutung zu, sondern verlangten nach einer inneren Transformation. Die Bauherrschaft, eine junge Familie, brachte klare Vorstellungen von einem hellen, flexibel nutzbaren Alltagshaus mit direkter Gartenanbindung ein. Diese Wünsche führten zu der Neuorganisation der Grundrisse, zur Öffnung des Erdgeschosses zum Aussenraum und zur Integration zusätzlicher Nasszellen.
Aktuelle energetische und konstruktive Tendenzen sind Bestandteil, aber nicht Leitmotiv des Projekts. Fundationsverstärkung mit Mikropfählen, statisch ertüchtigte Holzbalkendecken, Wärmedämmverputz, Dreifachverglasung und Luft-Wärmepumpe bilden ein robustes, zukunftsfähiges Gerüst, bleiben aber weitgehend unsichtbar. Entscheidendes architektonisches Element ist die neue, filigrane Stahltreppe, die als leichtes vertikales Rückgrat den räumlichen Zusammenhang stärkt und den einzigen bewusst ablesbaren Bruch mit dem historischen Bestand markiert. Das Projekt fügt sich damit in eine Reihe von Arbeiten des Büros ein, in denen vorhandene Strukturen respektvoll weitergebaut, konstruktiv ertüchtigt und energetisch aktualisiert werden, ohne ihre städtebauliche Rolle zu verlieren.
Das Projekt von RAUMTAKT wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.