Weiterbauen Reihenhaus Meisenweg
8038 zurich,
Schweiz
Veröffentlicht am 19. Januar 2026
RAUMTAKT GmbH
Projektdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Ausgangssituation
Das Projekt umfasst die sanfte Transformation eines 1924 erbauten Reiheneinfamilienhauses am Meisenweg 5 in Zürich-Wollishofen. Das Gebäude ist Teil einer denkmalgeschützten Gartenstadtsiedlung, die im städtischen Inventar als spätes Beispiel des romantischen Heimatstils gelistet ist. Für die vierköpfige Familie bot das Objekt die ideale Gelegenheit, ihren ungebrochenen Wunsch nach einem Leben in Zürich mit ihrer Faszination für historische Architektur zu verbinden. Während das Haus über bemerkenswert viel Originalsubstanz (wie über 100 Jahre altes Parkett und intakte Eichentreppen) verfügte, entsprachen Raumstruktur, Bäder und Küchen primär dem Stand der letzten Sanierung von 1988 und verlangten nach einer Anpassung an zeitgemässe Wohnbedürfnisse.
Entwurfsidee und Setzung (Bauaufgabe)
Das architektonische Leitmotiv lautete «Weiterbauen im Ensemble» – die vorhandene Substanz sollte gelesen, gestärkt und nicht kaschiert werden. Prägende historische Elemente wie das Buchenholz-Fischgrätparkett, das hölzerne Lambris und die bienenwabenförmigen Keramikfliesen blieben erhalten und wurden handwerklich aufgearbeitet.
Die Bauaufgabe verlangte nach mehr Grosszügigkeit: Im Erdgeschoss schuf ein gezielter Wanddurchbruch eine fliessende Enfilade zwischen dem Wohn- und Essbereich, welche den visuellen Bezug zum Gartenraum massgeblich stärkt. Das ungenutzte Dachgeschoss wurde als grosses räumliches Potenzial aktiviert. Durch die energetische Integration in die thermische Hülle und das Öffnen der Decke bis zum First entstanden zwei helle, zenital belichtete Kinderzimmer mit Galerieebenen. Die Entwurfsidee zeichnet sich zudem durch eine radikale Konsequenz in der Materialethik aus: Spuren der Transformation wurden bewusst nicht versteckt. Fehlstellen im historischen Parkett, die durch den Wanddurchbruch entstanden, goss man flächenbündig mit Zement aus – sie bleiben als ehrliches Zeugnis der baulichen Überformung ablesbar. Ergänzt wird die Ästhetik durch ein designaffines und geradliniges Interieur mit einem klaren Bekenntnis zu farblichen Akzenten.
Richtungsänderungen und Unvorhergesehenes während der Ausführung
Der Bauprozess verlief weitgehend ohne negative Überraschungen. Eine erfreuliche Entdeckung war der unerwartet exzellente Zustand des alten Dachstuhls, der es erst ermöglichte, diesen sichtbar zu belassen und die wunderschönen, offenen Dachräume in dieser Qualität zu realisieren. Ausserdem ergab sich während des Umbaus spontan die unvorhergesehene Gelegenheit, im Erdgeschoss und im Badezimmer des 1. Obergeschosses eine Fussbodenheizung einzubauen – eine Massnahme, die einen grossen Komfortgewinn brachte.
Energetische und konstruktive Tendenzen
Der Umgang mit den Ressourcen folgte dem Prinzip «Weiterbauen statt abbrechen», wodurch die im historischen Massivmauerwerk gebundene graue Energie maximal erhalten blieb. Konstruktiv minimierte man die Eingriffstiefe in die Tragstruktur, indem neue raumbildende Elemente wie Sanitär- oder Trennwände in ressourcenschonender Leichtbau- bzw. Trockenbauweise umgesetzt wurden.
Energetisch machte das Haus einen massgeblichen Schritt in Richtung Zukunftsfähigkeit: Das Dach wurde mit flexiblen Holzfaserdämmplatten energetisch saniert. Flankierend zu dieser Dämmmassnahme wurde die ehemals fossil betriebene Gasinfrastruktur substituiert und eine zukunftsweisende Luft-Wasser-Wärmepumpe installiert.
Was ist das Besondere an der Bauaufgabe und welche Rolle spielte der Bestand?
Die Besonderheit lag in der Transformation eines Reiheneinfamilienhauses aus dem Jahr 1924, das Teil der inventarisierten Gartenstadtsiedlung am Meisenweg ist und als spätes Beispiel des romantischen Heimatstils gilt. Der architektonische Leitgedanke «Weiterbauen im Ensemble» reagierte auf diesen anspruchsvollen historischen Kontext: Das gebaute Erbe wurde nicht als Einschränkung, sondern als kulturelles Kapital begriffen. Es galt, den Grundton der Siedlung nicht zu verfälschen und gleichzeitig das Innere, das grösstenteils noch dem Stand der letzten Renovation von 1988 entsprach, in eine neue Nutzungsphase zu überführen.
Inwiefern haben spätere Nutzer*innen das Projekt beeinflusst und was war die Inspiration?
Das Projekt wurde massgeblich durch die Bauherrschaft geprägt – eine junge Familie (zwei Erwachsene, zwei Kleinkinder), deren Wunsch es war, zwingend in Zürich zu bleiben und die eine Faszination für alte Häuser mit Geschichte mitbrachte. Ihre Vorstellungen von einem familiären, unkomplizierten, aber stilvollen Zuhause flossen in die Grundrissgestaltung ein, etwa durch den Wunsch nach einem fliessenden, offenen Wohn- und Essbereich im Erdgeschoss. Inspiriert von der verspielten Charakterstärke des Altbaus zeigte die Bauherrschaft Mut zur Farbe, was zu einem designaffinen, geradlinigen und farbenfrohen Interior-Stil führte.
Gab es Richtungsänderungen oder Unvorhergesehenes während der Ausführung?
Grosse negative Überraschungen blieben beim Umbau glücklicherweise aus. Eine sehr positive Wendung ergab sich jedoch durch den unerwartet exzellenten Zustand des alten Dachstuhls. Diese Entdeckung ermöglichte es erst, die Dachbalken sichtbar zu belassen und wunderschöne, bis zum First offene Räume zu schaffen. Zudem ergab sich spontan die Gelegenheit, das Erdgeschoss und das Badezimmer im 1. Obergeschoss mit einer Fussbodenheizung auszustatten. Auch in der Nutzung gab es eine kleine Überraschung: Der neue Esstisch in der Küche nahm für die Familie eine ganz andere, zentralere Bedeutung ein als ursprünglich gedacht und wurde zum eigentlichen Mittelpunkt des Alltags.
Haben aktuelle energetische Trends das Projekt beeinflusst und welche Materialien trugen zum Erfolg bei?
Das Projekt ist stark vom aktuellen Paradigma «Weiterbauen statt abbrechen» geprägt, wodurch die im Bauwerk gebundene graue Energie maximal erhalten blieb. Neue Eingriffe, wie die Sanitär- und Trennwände, wurden ressourcenschonend in Leichtbauweise (Trockenbau) ausgeführt. Energetisch wurde das Haus zukunftsfähig gemacht, indem das Dach mit flexiblen Holzfaserdämmplatten isoliert und die alte Gasinfrastruktur durch eine moderne Luft-Wasser-Wärmepumpe ersetzt wurde.
Zum gestalterischen Erfolg trugen der behutsame Erhalt und die Aufarbeitung über 100-jähriger Originalmaterialien wie dem Buchenholz-Fischgrätparkett, den bienenwabenförmigen Keramikplatten und der historischen Eichentreppe bei. Besonders prägend für das architektonische Konzept ist jedoch der ehrliche Umgang mit der Transformation: Dort, wo Wände durchbrochen wurden, liess man die entstandenen Fehlstellen im alten Parkett ganz bewusst sichtbar und goss diese flächenbündig mit Zement aus – als authentische, ablesbare Spur des Umbaus. Im neu geschaffenen Dachraum kontrastiert zudem helles Birkensperrholz an der Deckenuntersicht harmonisch mit dem erhaltenen Altholz.
Das Projekt wurde von RAUMTAKT eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.