Die besten Architekturbücher 2026 – gekürt vom DAM

Parade aller ausgezeichneten Architekturbücher | Foto: Uwe Dettmar
Wie lernen wir Architektur? Was tun wir mit dem Bestand? Und wessen Beiträge finden Eingang in die Architekturgeschichte? Die zehn Bücher, die 2026 mit dem DAM Architectural Book Award ausgezeichnet wurden, nähern sich diesen Fragen aus unterschiedlichen Richtungen. Gemeinsam zeigen sie, dass ein Architekturbuch mehr sein kann als die Dokumentation gebauter Projekte: Es vermag Debatten anzustossen, Vergessenes sichtbar zu machen und neue Perspektiven auf das Gebaute zu öffnen. Drei der zehn prämierten Bücher kommen aus Schweizer Verlagen; eines davon widmet sich der Architekturlehre an der ETH Zürich.
Der internationale Preis wird seit 2009 jährlich vom Deutschen Architekturmuseum (DAM) und der Frankfurter Buchmesse vergeben – 2026 zum achtzehnten Mal. Er zeichnet besonders gut gestaltete Architekturbücher aus und ist als Ehrenpreis nicht mit einer Geldsumme verbunden. In diesem Jahr wählte die Jury zehn Titel aus 248 Einsendungen von 99 Verlagen aus. Bewertet wurden unter anderem Gestaltung, inhaltliches Konzept, Material, Verarbeitung, Innovation und Aktualität.
Der externen Jury gehörten Vladka Kupska von der Frankfurter Buchmesse, Birte Kreft von der Stiftung Buchkunst, Johanna Siebein von der HfG Offenbach, der Architekt Danny Lettkemann und der Fotograf Moritz Bernoully an. Für das DAM war Teresa Fankhänel Teil der Jury.
Bildung als Bauaufgabe
Gleich drei ausgezeichnete Bücher beschäftigen sich damit, wie Architektur und Bildung einander prägen. Wir bauen Bildung! zieht Bilanz nach zehn Jahren Münchner Bildungsbauoffensive. Der Band stellt Schulbauten nicht nur als Entwurfsaufgabe vor, sondern verbindet sie mit Fragen der Bildungsgerechtigkeit, neuer pädagogischer Konzepte und des ressourcenschonenden Bauens. Junior Architects richtet indes den Blick auf die Ausbildung selbst: Anhand von Programmen in den USA fragt das Buch, wie Architektur- und Designlehre gleichberechtigter und offener werden kann.
Einen Einblick in die Grundlagenlehre an der ETH Zürich gibt das Kompendium 2009–2017 der Professur Christian Kerez. Aufgaben, Modelle und Zeichnungen aus dem ersten Studienjahr machen nachvollziehbar, wie architektonische Ideen entwickelt werden. Zusammen gelesen werfen die drei Bücher eine grundlegende Frage auf: Welche Räume und welche Formen des Lernens braucht die nächste Generation?

Das Kompendium 2009–2017 mit den Arbeiten aus der Professur Christian Kerez ist im Quart Verlag erschienen. | Foto: Uwe Dettmar
Den Bestand neu sehen
Dass die Zukunft des Bauens auch im Vorhandenen liegt, zeigt Take On Add Away. Das Buch begleitet die Transformation des Palais des Expositions in Charleroi und erkundet, was entsteht, wenn ein grosses bestehendes Gebäude nicht als Hindernis, sondern als Möglichkeitsraum verstanden wird. Einen anderen Teil des Bestands untersucht Kunst am Bau. Zustände, Erhalt und Vermittlung: Wie lassen sich Werke bewahren und zugänglich machen, die eng mit Gebäuden und öffentlichen Räumen verbunden sind? Beide Publikationen lenken die Aufmerksamkeit auf das Weiterarbeiten mit dem, was bereits da ist.

Gabriele Basilico fotografa Aldo Rossi ist im Humboldt Books erschienen und öffnet neue Blickwinkel auf den für den Schweizer Diskurs so bedeutenden Architekten. | Foto: Uwe Dettmar
Architekturgeschichte erweitern
Mehrere Preisträger*innen beleuchten die Mechanismen und Traditionen der Geschichtsschreibung und hinterfragen, welche Werke und Stimmen im Gedächtnis bleiben. Black Architect versammelt Gespräche über die Beiträge Schwarzer Architekt*innen in Nordamerika und über Erfahrungen von Ausgrenzung. Kho Liang Ie führt das verstreute Werk eines Gestalters zusammen, dessen Name heute weniger bekannt ist als manche seiner Entwürfe. DEVADE wiederum betrachtet Prager Architektur aus der Zeit nach der Samtenen Revolution neu – auch Bauten, die im historischen Stadtbild zunächst irritieren mögen.
Mit Magic Architecture wird ein bislang unveröffentlichtes Manuskript Frederick Kieslers zugänglich. Die Edition lässt seine Überarbeitungen sichtbar, statt eine scheinbar endgültige Fassung herzustellen. Auch das ist eine Antwort auf die Frage, wie Architekturgeschichte erzählt werden kann: nicht als abgeschlossene Reihe von Meisterwerken, sondern als offener Prozess.
Schliesslich bringt Gabriele Basilico fotografa Aldo Rossi den Dialog von Architektur und Fotografie ins Gespräch. Die Bilder von Rossis Bauten sind hier nicht bloss Illustrationen; sie eröffnen eine eigene Sicht auf Ort, Form und Erinnerung.
Alle zehn ausgezeichneten Titeln vermitteln Architektur nicht nur durch ihre Inhalte. Auch die Art, wie sie Bilder, Texte und Materialien zusammenbringen, bestimmt, was wir in der Architektur erkennen können und mit welchem Fokus wir über die gebaute Umwelt diskutieren.