Anatomy of Change – Architecture And Time in Ticino

Veröffentlicht am 09. Februar 2026 von
Nina Farhumand

Blick ins Kapitel «Temporale» Temporäre Nutzung, «Accept Aging» und zirkuläre Transformation prägen den Umgang mit dem Bestand.
Wetter als Ereignis – Architektur reagiert auf klimatische Extreme. | Abbildungen © Triest Verlag

Das Tessin als Labor

Im Zentrum stehen Strategien für den Umgang mit dem Bestand – von temporär über zirkulär bis dauerhaft, wie sie Elli Mosayebi und ihr Herausgeber*innenteam in der Lehre entwickeln. Die Projekte reagieren auf klimatische Veränderungen, demografischen Wandel und Ressourcenknappheit, indem sie bestehende Strukturen analysieren, umbauen, ergänzen oder bewusst dem Verfall überlassen. Architektur erscheint hier nicht als fertiges Objekt, sondern als Eingriff im Zeitverlauf. Studierende entwickeln temporäre Wasserspeicher für Dürreperioden, Infrastrukturen zur Verlangsamung von Starkregen oder massive Steinstrukturen, die Material nicht verbrauchen, sondern als Lager begreifen. Klima, Topografie und Materialfluss werden gelesen – und in räumliche Strategien übersetzt.

Blick ins Kapitel «Circolare» – «Moor is More»: Ein Projekt, das Moorlandschaften als Infrastruktur nutzt, um Starkregen aufzunehmen und verzögert weiterzuleiten.
«Future Inheritance» – Schrittweise Instandsetzung eines bestehenden Gebäudes, bei der Umbau und Nutzung parallel stattfinden. | Abbildungen © Triest Verlag

Drei Wege durch den Wandel

Nach einer einleitenden Rahmung gliedert sich der Band in drei Teile: «Temporale», «Circolare» und «Permanente». Statt Typologien ordnet diese Dreiteilung die Projekte nach ihrem Umgang mit Zeit und Bestand. Im Abschnitt «Temporale» untersuchen die Projekte Architektur unter instabilen Bedingungen – Wetterereignisse, Dürre, Starkregen oder saisonale Nutzung prägen die Entwürfe. Temporäre Wasserspeicher, mobile Infrastrukturen oder offene Konstruktionen reagieren auf klimatische Extreme und akzeptieren Veränderung als Ausgangslage.

«Circolare» richtet den Blick auf Schrumpfung, Umnutzung und Materialkreisläufe. Die Projekte arbeiten mit bestehenden Gebäuden, Agrarbauten oder Infrastrukturen und verstehen sie als Ressourcenlager. Rückbau, Wiederverwendung und schrittweise Transformation werden Teil des Entwurfs. Architektur entsteht hier aus dem Bestand heraus und bleibt bewusst reversibel

Der Abschnitt «Permanente» widmet sich Strategien der Dauer. Massive Konstruktionen, insbesondere aus Stein, fungieren als strukturelle Reserven, die Nutzung aufnehmen, verändern oder speichern können. Dauer bedeutet hier nicht Stillstand, sondern die Fähigkeit, Wandel auszuhalten. Ergänzt werden die Kapitel durch Essays, Matrizen und Referenzen, die Begriffe wie Alterung, Wartung oder Lebensdauer systematisch einordnen und die Entwürfe theoretisch rahmen.

Blick ins Kapitel «Permanente» – «La permanenza come contenitore del cambiamento»: Ein massiver Steinbau dient als strukturelle Reserve, die Material speichert und Nutzung offen hält.
«Langsame Baustelle» – Der Umbau erfolgt schrittweise, während bestehende Strukturen weitergenutzt und ergänzt werden. | Abbildungen © Triest Verlag

Lehre und Praxis

Herausgegeben von Elli Mosayebi gemeinsam mit Violeta Burckhardt, Julian Meier, Matthew Phillips, Nelly Pilz und Franziska Singer, dokumentiert Anatomy of Change eine Lehrpraxis an der ETH Zürich. Die fünf Mitherausgeber*innen lehren an Mosayebis Professur und arbeiten parallel an eigenen Projekten. Resilienz entsteht hier nicht durch Stabilität, sondern durch Anpassung. Das Buch liefert keine Lösungen, sondern verschiebt den Fokus des Entwerfens – weg vom Endzustand, hin zur Arbeit am Bestand unter veränderlichen Bedingungen.

Anatomy of Change – Architecture And Time in Ticino

Triest Verlag

Erste Ausgabe, 2025

Sprachen: Deutsch, English

136 Seiten

22 x 31 cm

CHF 32,–

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208690008