Radikale Symbiosen – Wie aus Gegensätzen neue Architektur entsteht

Radikale Symbiosen – Neue Perspektiven für das Konstruktive Entwerfen versammelt Perspektiven aus Forschung, Lehre und Praxis auf das Bauen mit bestehenden und neuen Ressourcen. | Buchcover © Park Books
Bauen unter neuen Bedingungen
Klimawandel und Ressourcenknappheit verändern die Anforderungen an die Architektur. Es genügt nicht mehr, neue Gebäude mit möglichst effizienten technischen Lösungen auszustatten. Auch die Materialien, die Konstruktion und der Umgang mit dem Bestand müssen neu bedacht werden. Radikale Symbiosen nimmt diese Herausforderung zum Ausgangspunkt und fragt, was geschieht, wenn scheinbar widersprüchliche Ansätze bewusst miteinander verbunden werden.

Wiederverwendete Bauteile werden zu leichten, temporären Strukturen für den Wiener Stadtraum kombiniert. Modell: Aleksandar Lazic | Foto: Paul Sebesta
Perspektiven aus Forschung, Lehre und Praxis
Herausgegeben wurde der Band von Astrid Staufer, Lorenzo De Chiffre, Mladen Jadrić, Ines Nizić, Katharina Paschburg und Thomas Sommerauer mit Felix Steinhoff. Er versammelt Beiträge aus Forschung, Lehre und Praxis. Die Autor:innen kommen laut Verlagsbeschreibung aus der Architektur, dem Ingenieurwesen sowie der Theorie- und Methodenlehre. Ihre Themen reichen von Materialethik und konstruktiven Hybridisierungen über Low-Tech-Strategien bis zur Transformation bestehender Gebäude.

Das 1:1-Mock-up erprobt einen Wandaufbau aus gebrauchten Bauteilen und nachwachsenden Dämmstoffen, darunter Stroh und Glasbausteine. | Foto: Lena Bürgler
Symbiose als Entwurfsmethode
Die Leitidee des Buches ist die Symbiose. Gemeint ist damit mehr als das blosse Nebeneinander unterschiedlicher Elemente: Materialien, Verfahren und Perspektiven sollen so aufeinander bezogen werden, dass neue Möglichkeiten für das Entwerfen entstehen. Auch der Begriff «radikal» ist hier nicht als Aufforderung zur spektakulären Geste zu verstehen. Er bezeichnet ein Denken an der Wurzel – ein Hinterfragen grundlegender Annahmen darüber, wie und womit gebaut wird. Eine Veränderung kann demnach ebenso in einer kleinen, präzisen Entscheidung liegen wie in einem weitreichenden konstruktiven Ansatz.

Stückguthalle – Studierende der TU Wien untersuchen die Stückguthalle am Wiener Nordwestbahnhof auf wiederverwendbare Bauteile. | Foto: Kai Merkert
Weiterbauen als Prüfstein
Interessant ist dieser Gedanke besonders beim Weiterbauen. Ein bestehendes Gebäude bringt Bedingungen mit, auf die ein Entwurf reagieren muss. Gerade daraus können jedoch Lösungen entstehen, die bei einem Neubau nicht nahelägen. Der Anspruch von Radikale Symbiosen ist es, solche produktiven Verbindungen nicht nur theoretisch zu beschreiben, sondern auch anhand gebauter Beispiele zu betrachten.
Darin liegt zugleich die entscheidende Frage an das Buch: Wann wird aus der Verbindung unterschiedlicher Elemente tatsächlich ein Gewinn für die Architektur? Der Begriff der Symbiose klingt überzeugend, muss sich aber an konkreten Projekten bewähren. Wichtig ist, ob die Beispiele nachvollziehbar zeigen, welche räumlichen, konstruktiven oder ökologischen Möglichkeiten durch das Zusammendenken entstehen.

Gründerzeitblock – Leichte Gerüststrukturen sollen Wege, gemeinschaftliche Räume und neue Nutzungen über Parzellengrenzen hinweg verbinden. | Modell und Foto: Marcel Martin
Ein Impuls statt eines Rezepts
Radikale Symbiosen verspricht somit keinen einfachen Massnahmenkatalog, sondern einen Impuls für eine offenere Entwurfshaltung: Widersprüche nicht verdecken, sondern sorgfältig bearbeiten.
Radikale Symbiosen – Neue Perspektiven für das Konstruktive Entwerfen
Park Books
Erste Ausgabe, 2026
Sprachen: Deutsch, English
224 Seiten, 219 farbige und 76 s/w-Abbildungen
23 x 28 cm
CHF 39,–