Lebendiges Interieur
Schweiz
Veröffentlicht am 13. Juli 2026
HEAD MAIA Department of Interior Architecture
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Basisdaten
Beschreibung
Das Projekt Lebendiges Interieur (Intérieur Vivant) wurde im Frühlingssemester 2026 am HEAD – Genève, Département Architecture d'Intérieur unter der Leitung von Javier Fernández Contreras durchgeführt. Betreut wurde das Studio von Philippe Rahm, assistiert von Valentin Calame. Beteiligt waren folgende Studierende: Nassim Baron, Camille Bodin, Estelle Chautant, Alexis Lang, Alix Légeret, Zélie Liou, Kayla Nanton, Morgane Nicolas, Bryan Reyes und Stauffer Aurèle Eliseo.
Ziel des Ateliers war es, Kompetenzen in der energetischen Sanierung und Transformation eines für suburbane Räume typischen Wohnhauses mit Garten zu vermitteln. Im Fokus standen zeitgemässe Antworten auf die Herausforderungen des Klima- und Gesundheitsschutzes.
Was wäre, wenn Tiere und Pflanzen in historischen Wohnräumen weit mehr waren als bloss dekorative Elemente? Katzen, Hunde, Blumen oder Fische erfüllten einst wichtige Funktionen: Katzen schützten die Vorräte vor Mäusen, Hunde bewachten das Haus, Lavendel hielt Motten fern und Fische reduzierten die Mückenpopulation. Die «nichtmenschlichen» Bewohner*innen des Hauses trugen damit wesentlich zu einem gesunden und funktionierenden Wohnumfeld bei. Viele dieser Aufgaben wurden im 20. Jahrhundert durch chemische oder technische Lösungen ersetzt – effizienter, zugleich jedoch oft umweltschädlicher und teilweise gesundheitlich bedenklich.
Angesichts der tiefgreifenden energetischen Sanierungen des Gebäudebestands stellt sich die Frage, weshalb nicht auch die ökologische Qualität des Innenraums neu gedacht werden sollte. Aktuelle Erkenntnisse zum Mikrobiom sowie zu den Symbiosen zwischen Menschen, Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen stellen das von Beatriz Colomina beschriebene Ideal eines vollkommen sterilen Innenraums infrage. Könnte beispielsweise der Boden eines Kinderzimmers so gestaltet werden, dass er nicht nur leicht zu reinigen ist, sondern zugleich die Entwicklung eines gesunden Mikrobioms fördert?
Auf der Grundlage wissenschaftlicher und architektonischer Recherchen untersuchten die Studierenden, wie das Lebendige wieder zu einem integralen Bestandteil von Sanierungsprojekten werden kann. Ziel war es, Wohnräume zu entwerfen, in denen Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen bewusst Teil des architektonischen Konzepts werden und so zu Komfort, Gesundheit und ökologischer Leistungsfähigkeit beitragen. Entstanden sind Visionen «probiotischer» Wohnhäuser, wobei das Lebendige als selbstverständlicher Bestandteil der Architektur mitwirkt.
Das Projekt des HEAD MAIA Department of Interior Architecture wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 in der Kategorie Next Generation eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.