Max-Planck-Institut für Mikrostrukturphysik

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06120 Halle,
Deutschland

Veröffentlicht am 13. April 2026
Burckhardt Architektur AG
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026

Drei gestaffelte Baukörper fügen Labore, Büros und Reinraum zu einem funktionalen Ensemble, das auf Topografie und Campus reagiert. Frontalansicht des gestaffelten Baukörpers Detailaufnahme der Fassade Detailaufnahme drei gestaffelte Baukörper Detailaufnahme der abgerundeten Fassadenbänder Technik für Labor und Reinraum Begrünter Lichthof Haustechnik Labore mit gerundeter Gebäudekontur

Projektdaten

Basisdaten

Lage des Objektes
Weinberg 2, 06120 Halle, Deutschland
Projektkategorie
Fertigstellung
03.2026
Links

Gebäudedaten nach SIA 416

Stockwerke
3 bis 5
Anzahl Kellergeschosse
1
Grundstücksfläche
18'289 m²
Geschossfläche
12'600 m²
Nutzfläche
5871 m²
Gebäudevolumen
58'275 m³
Gebäudekosten (BKP 2)
49,0 Mio. CHF
Anzahl Arbeitsplätze
106

Beschreibung

Die Max-Planck-Gesellschaft gehört zu den renommiertesten Forschungseinrichtungen weltweit. 31 Nobelpreise gingen bisher an ihre 84 Institute, die sich der Grundlagenforschung in den Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften widmen. Dazu gehört auch ein Standort in Halle (Saale): Hier erforscht das Max-Planck-Institut (MPI) für Mikrostrukturphysik Materialwissenschaft und Festkörperphysik. Untersucht werden etwa die Ober- und Grenzflächen von Halbleitern, Isolatoren und Metallen. Es war das erste MPI in den neuen Bundesländern und besteht seit 1992. Nach knapp drei Jahrzehnten fiel 2020 die Entscheidung zum Erweiterungsbau. Zusätzliche Labore, Büroplätze und ein grosser Reinraum sorgen nun dafür, dass exzellente Forschung beste räumliche Voraussetzungen und ausreichend Platz findet.

Umgeben von altem Baumbestand, liegt der Campus des MPI für Mikrostrukturphysik auf dem sogenannten Weinberg im Nordwesten der Stadt Halle, nahe der Wilden Saale. Er ist Teil eines grossflächigen Wissenschaftsstandorts, der Institute der Fraunhofer-Gesellschaft, der Leibniz- und der Helmholtz-Gemeinschaft sowie der Martin-Luther-Universität Halle bündelt. Der Neubau gliedert sich in drei Volumina, die jeweils eine eigene Funktion erfüllen und im Stadtraum abbilden. Mit seiner Gliederung und Höhenstaffelung reagiert das Haus sowohl auf den heterogenen und teils kleinteilig strukturierten Stadtraum der Umgebung als auch auf die Topografie des alten Weinbergs.

Mittig und gegenüber den beiden anderen Teilen zurückgesetzt, befindet sich der Bürotrakt, der so einen zentralen Vorplatz ausbildet. Nördlich davon liegen die Labore, südlich der Reinraum mit Schleuse für Experimente, die in nahezu staub- und keimfreier Luft durchgeführt werden müssen. Über den neu geformten Platz betreten Mitarbeiter*innen und Gäste das Bauwerk. Sie werden von einem grosszügigen Foyer und dem angrenzenden, begrünten Lichthof empfangen, um den sich im Erdgeschoss kleine Nischen gruppieren. Diese laden zum informellen Austausch und spontanen Gesprächen ein – ein Aspekt, der für wissenschaftliches Arbeiten nicht zu unterschätzen ist. In den oberen Etagen gruppieren sich Büroräume um das Atrium. Über das zentrale Foyer werden die Labore erschlossen. Der Reinraum hingegen, mit seinen hohen technischen und infrastrukturellen Anforderungen, über das Untergeschoss.

Ein Kleid aus blaugrün glasierten Keramik-Elementen umgibt alle drei Volumina und erzeugt je nach Tages- und Jahreszeit ein facettenreiches Spiel. Zusammen mit dem Sichtbetonsockel, der sich geländeabhängig mal mehr, mal weniger zeigt, und den gerundeten Gebäudeecken entsteht eine gestalterische Einheit und visuelle Kontinuität. Fensterbänder unterstreichen die horizontale Gliederung der Fassaden und differenzieren die verschiedenen Bereiche: Am offensten interagiert die Eingangsfassade des Bürotrakts mit ihrer Umgebung, im Laborbereich diktieren die Technikbereiche den Wechsel zwischen Offen- und Geschlossenheit, während sich der Reinraum mit seinen komplexen klimatischen Bedingungen ganz der Umgebung abschottet.

Die Nutzenden benötigen Labor- und Büroarbeitsplätze für ihre tägliche Arbeit und darüber hinaus noch hochspezialisierte Reinräume, deren Technikflächen mindestens ebenso viel Raum einnehmen wie die Arbeitsplätze selbst. Es ging darum, die drei Typen so miteinander zu verzahnen, dass die funktional sehr unterschiedlichen Aufgaben an der Fassade und in der inneren Organisation ein harmonisches Ganzes ergeben. Ein zentrales Problem war dabei der Übergang zwischen den Gebäudeteilen, da sich die Etagen nicht auf der gleichen Ebene treffen. Das wurde im Wesentlichen dadurch gelöst, dass die gemeinsame Erschliessung zwischen Labor- und Bürotrakt so konzipiert wurde, dass sie nach Bedarf ein Halbgeschoss überspringt.

Mit der Splittung der Funktionen entfällt die Suche nach einem aufwändigen und damit teuren Kompromiss: Jeder Gebäudeteil konnte so geplant werden, wie es für die jeweilige Nutzung am günstigsten ist. Hier zeigt sich, dass die Gestaltung des Ensembles nicht nur rein ästhetischen, sondern auch funktionalen Überlegungen geschuldet ist. Ein Kleid aus blaugrün glasierten Keramik-Elementen umgibt alle drei Volumina und erzeugt je nach Tages- und Jahreszeit ein facettenreiches Spiel. Zusammen mit dem Sichtbetonsockel, der sich geländeabhängig mal mehr, mal weniger zeigt, und den gerundeten Gebäudeecken entsteht eine gestalterische Einheit und visuelle Kontinuität. Dies bedurfte mühevoller handwerklicher Detailarbeit, um eine umlaufende Fuge für die Keramikfassade entwickeln zu können.

Das Projekt von Burckhardt Architektur wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert

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