Über das architektonische Potenzial von Details – der Arc Afterwork Lausanne als Video

Veröffentlicht am 09. Juni 2026 von
Philippe Chopard

Innovation und gute Impulse in der Architektur bedingen nicht zwangsläufig einen grossen Massstab. Selbst kleine Projekte oder eine Adaption mit wenigen Mitteln können zum Motor für Innovation werden. Die Gäste des jüngsten Afterworks konnten sieben originelle Umnutzungs- und Aneignungsprojekte entdecken.

Alan Hasoo, Sébastien Tripod, Stefano Ciurlo Walker, Mélissa Vrolixs, Luca Camponovo, Daniel Zamarbide und Guillaume Yersin im Gespräch mit dem Publikum (von links nach rechts) | Foto: Pedro Gutiérrez Fernández

Alan Hasoo, Sébastien Tripod, Stefano Ciurlo Walker, Mélissa Vrolixs, Luca Camponovo, Daniel Zamarbide und Guillaume Yersin im Gespräch mit dem Publikum (von links nach rechts) | Foto: Pedro Gutiérrez Fernández

Alan Hasoo, Sébastien Tripod, Stefano Ciurlo Walker, Mélissa Vrolixs, Luca Camponovo, Daniel Zamarbide und Guillaume Yersin im Gespräch mit dem Publikum (von links nach rechts) | Foto: Pedro Gutiérrez Fernández

Rund 150 Personen erhielten am 29. April 2026 im Olympischen Museum in Lausanne Einblicke in den kreativen Kosmos der zeitgenössischen Architektur in der Romandie. Konfrontiert mit einer Welt im Umbruch – allem voran klimatische und finanzielle Herausforderungen – suchen junge Architekt*innen nach neuen Wegen. Sieben stellten beim Event Projekte aus Lausanne, Genf und La Sagne vor, bei denen sie schwierige Aufgaben mit grosser gestalterischer Intelligenz, Kostenbewusstsein und im Kontext knapper werdender Ressourcen meisterten. Sie zeigten auf: Manchmal genügen sorgfältig ausgearbeitete Details, um ein Architekturprojekt kraftvoll und innovativ zu machen.

Das Olympische Museum war beim Arc Afterwork-Abend komplett gefüllt. | Foto: Pedro Gutiérrez Fernández

Das Olympische Museum war beim Arc Afterwork-Abend komplett gefüllt. | Foto: Pedro Gutiérrez Fernández

Das Olympische Museum war beim Arc Afterwork-Abend komplett gefüllt. | Foto: Pedro Gutiérrez Fernández

Swiss Arc brachte mit dem Afterwork erneut zahlreiche Akteur*innen der Baubranche rund um eine zentrale Fragestellung zusammen: «Wie können unter den Rahmenbedingungen, mit denen Architekt*innen heute konfrontiert sind, schwierige Aufträge in gute Projekte übersetzt werden?» Es wurde aufgezeigt, welche Rolle gute Details dabei spielen und wie ihre Gestaltung helfen kann, zwischen den Interessen und Vorstellungen von Planenden und Bauherrschaften zu vermitteln. Allen sieben präsentierten Projekten gemein waren komplexe Ausgangslagen und Aufträge, die mit viel Kreativität – und gelegentlich auch einer Prise Kühnheit oder Witz gelöst wurden.

So gelang dem Atelier Marginalia aus La Chaux-de-Fonds das Kunststück, in einem denkmalgeschützten Bauernhaus in La Sagne mehr Licht und nutzbaren Wohnraum zu schaffen, indem sie eine Decke anhoben und transluzent gestalteten – so dringt Tageslicht bis in die unteren Räume.

«Das Gebäude stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist robust, um rauen klimatischen Bedingungen standzuhalten», erklärte Mélissa Vrolixs, Projektleiterin des Projekts «Uplift». «Das machte es möglich, die Struktur im Inneren neu zu organisieren, ohne die Gebäudehülle und den 300 Jahre alten Dachstuhl antasten zu müssen. Beide kommen zudem nun ganz anders zur Geltung.»

Licht und die Neuorganisation von Räumen waren auch beim Projekt des Büros Rocades zentral, das eine Lausanner Wohnung umgebaut und erweitert hat. Die einzelnen Zimmer erhielten neue Funktionen und schaffen nun ein Spannungsfeld zwischen Offenheit und Intimität. «Leider mussten wir dafür umfangreiche Abbrucharbeiten in Kauf nehmen», räumte Projektarchitekt Alan Hasoo ein.

Dane Tritz von der Swiss Arc-Redaktion gab eine kurze Einführung in das Thema des Abends.
Alan Hasoo stellte das Projekt Matines aus Lausanne vor.
Daniel Zamarbide berichtet über das Maison Molaire in Genf.

Alte und beschädigte Bauteile zu ersetzen, wird von Architekt*innen immer häufiger infrage gestellt. Viele der in Lausanne gezeigten Projekte setzen stattdessen auf den Erhalt des Bestands und schaffen durch kleine Adaptionen Mehrwerte. Ein Beispiel dafür ist die Umnutzung der ehemaligen Reithalle in Genf durch das Büro Estar. Wie Stefano Ciurlo Walker erläutert, ist das Gebäude im Zentrum der Calvinstadt bereits seit 1841 belegt. Das Projekt reagiert auf Eingriffe aus den 1950er-Jahren, welche den Innenraum stark verändert hatten. Nun wurden Decken und Wände gezielt aufgeschnitten, um dem Bau eine neue Porosität zu geben und ihm neues Leben einzuhauchen.

Auch das Büro Nomos zeigte mit der energetischen Sanierung des Hochhauses Vieusseux in Genf, wie sich Bestand intelligent weiterentwickeln lässt. «Wir haben die Innenräume neu organisiert und die Balkone mit einer auffaltbaren Verglasung zu Wintergärten gemacht», erklärte Luca Camponovo. «Das Projekt entstand aus einer Vielzahl kleiner Eingriffe, die wir mit den Bewohner*innen im Dialog entwickelt haben.»

«Solche kleinen Veränderungen gehören zur sogenannten ‹architektur mit kleinem a› », sagte Daniel Zamarbide, Initiant des Genfer Projekts Maison Molaire. «Gerade im Wohnkontext entfalten sie jedoch grosses Potenzial.» Das Projekt verzichtet weitgehend auf eine klassische Innenraumorganisation, arbeitet mit farbigen Vorhängen und folgt den Logiken eines fotografischen Blicks. Die Bewohner*innen können den Raum mit wenig Aufwand umkonfigurieren und ihren Bedürfnissen anpassen.

Auch bei der Umwandlung einer ehemaligen Brauerei im Genfer Entwicklungsgebiet Praille-Acacias-Vernets in Wohnraum steht die Auseinandersetzung mit dem Bestand im Zentrum. Durch den gezielten Einsatz charismatischer, oft wiederverwendeter Materialien verleiht Architekt Guillaume Yersin vom Büro SAAS dieser Umnutzung einen starken Ausdruck.

Guillaume Yersin stellte das Projekt JNS aus Genf vor.
Lucas Camponovo vom Büro NOMOS berichtete über die Renovation des Tour Vieusseux in Genf.
Mélissa Vrolixs vom Büro Marginalia berichtete über das Projekt Uplift in La Sagne.

In derselben Logik wurde im Rahmen des Lausanner Projektes Albertine eine ehemalige Autowerkstatt in eine Musikschule verwandelt – mit besonderem Augenmerk auf die akustische Isolation. Architekt Sébastien Tripod vom bureaumilieux betonte dabei die Bedeutung pragmatischer Lösungen und improvisatorischer Ansätze, um das Projekt erfolgreich umzusetzen.

Die sieben Vorträge zeigten eindrücklich, dass Architekt*innen den Herausforderungen knapper Ressourcen, Kostendruck und Anforderungen, die aus dem Klimawandel erwachsen, mit Kreativität und Durchhaltevermögen begegnen, auch wenn sich Vorhaben als komplexer erweisen als anfangs erwartet. Das grosse Engagement der Architekt*innen zeigte, dass es sich lohnt, Aufträge nicht bloss abzuarbeiten, sondern in allen Belangen aktiv mitzugestalten – eine Infragestellung der ursprünglichen Idee inklusive.

Sébastien Tripod vom bureaumilieux stellte das Projekt «Albertine» in Lausanne vor.
Stefano Ciurlo Walker vom Büro Estar führte durch die Ancienne Manège in der Altstadt von Genf.
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