In BEAR Greenhouses – Studies on Types

Veröffentlicht am 01. Januar 1900 von
Nina Farhumand

Triest Verlag

Blick ins Kapitel «Temporale» Temporäre Nutzung, «Accept Aging» und zirkuläre Transformation prägen den Umgang mit dem Bestand.

Blick ins Kapitel «Temporale» Temporäre Nutzung, «Accept Aging» und zirkuläre Transformation prägen den Umgang mit dem Bestand.

D

Ein Gewächshaus ist ein Ort für Pflanzen. Doch was ist es, wenn Menschen darin wohnen, arbeiten oder sich begegnen? Greenhouses. Studies on Types löst den Begriff aus seiner vertrauten Bedeutung und betrachtet das Greenhouse als architektonisches Prinzip: als Erweiterung des Wohnraums, klimatische Schicht oder Übergang zwischen Gebäude und Umgebung. Entscheidend ist dabei nicht allein die Form der Verglasung, sondern ihre Beziehung zum Haus, zu den Jahreszeiten und zum Alltag seiner Bewohner*innen.

Herausgegeben wird der englischsprachige Band vom Laboratory EAST der EPFL Lausanne. Die einleitenden Texte eröffnen verschiedene Zugänge zum Thema. Anja Fröhlich untersucht am Beispiel des Gartenarchitekten Leberecht Migge, wie Selbstversorgung, Wärme und Wohnen zusammengedacht wurden. Luca Volpi befasst sich mit bewohnbaren Zwischenräumen und einem Komfortverständnis, das unterschiedliche Temperaturen zulässt. Sacha Roesler fragt, wie sich Mikroklimata erforschen lassen. Ein Gespräch von Luciano Antonietti und Tiago P. Borges mit Jeannette und Peter Gygax führt diese Überlegungen in die Entwurfspraxis. Gemeinsam mit Anja und Martin Fröhlich erläutert Borges zudem die typologischen Beziehungen zwischen Haus und Gewächshaus.

Blick ins Kapitel «Circolare» – «Moor is More»: Ein Projekt, das Moorlandschaften als Infrastruktur nutzt, um Starkregen aufzunehmen und verzögert weiterzuleiten.
«Future Inheritance» – Schrittweise Instandsetzung eines bestehenden Gebäudes, bei der Umbau und Nutzung parallel stattfinden. | Abbildungen © Triest Verlag

D

Die Stärke des Buchkonzepts liegt in der Verbindung dieser Perspektiven mit einer umfangreichen Projektsammlung. Neu gezeichnete Fallstudien machen sehr unterschiedliche Ausprägungen des Typs vergleichbar: Der oft übersehene Wintergarten der Villa Tugendhat steht neben Beispielen der Solararchitektur und Wohnprojekten von Lacaton & Vassal. Ein ergänzender Atlas ordnet die Referenzen. So wird deutlich, dass der verglaste Zwischenraum keine einzelne, jederzeit übertragbare Lösung ist. Er kann Pflanzen schützen, Wärme aufnehmen, Wohnfläche ergänzen oder gemeinschaftliche Nutzung ermöglichen – je nachdem, wie er konstruiert und bewohnt wird.

Blick ins Kapitel «Permanente» – «La permanenza come contenitore del cambiamento»: Ein massiver Steinbau dient als strukturelle Reserve, die Material speichert und Nutzung offen hält.
«Langsame Baustelle» – Der Umbau erfolgt schrittweise, während bestehende Strukturen weitergenutzt und ergänzt werden. | Abbildungen © Triest Verlag

Bemerkenswert ist, dass die vorliegenden Textauszüge auch die Grenzen solcher Konzepte ansprechen. Fröhlich zeigt etwa, dass Selbstversorgung Arbeit, Zeit und verfügbare Ressourcen voraussetzt. Ein Gewächshaus kann diese Arbeit sichtbar machen, verteilt sie aber nicht automatisch gerecht. Damit gewinnt die Untersuchung eine soziale Dimension, die über die Frage nach Energieeinsparungen hinausgeht.

Greenhouses. Studies on Types ist für alle interessant, die klimaresponsive Architektur nicht bloss als technische Ausstattung verstehen. Das Buch richtet den Blick auf den Raum selbst: auf Übergänge, saisonale Nutzungen und die Möglichkeit, bestehende Gebäude um klimatisch wirksame Schichten zu ergänzen.

Greenhouses – Studies on Types

Triest Verlag

Erste Ausgabe, 2026

Sprachen: Deutsch, English

Englisch, 192 Seiten, circa 225 Abbildungen und Pläne

17,1 x 24 cm

CHF 29,–

Hier bestellen
267428221