Circus Knie – Winterquartier Wagnerfeld
8646 Wagen,
Schweiz
Veröffentlicht am 24. Februar 2026
raumfindung architekten gmbh
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Basisdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Die Gebrüder Knie, Schweizer National-Circus, beabsichtigen die Konzentration der Werkstätten und des gesamten Fuhrparks auf dem Wagnerfeld in Wagen, um die Areale St. Wendelin und Lattenhof in Rapperswil-Jona weiterentwickeln zu können. Ziel des Winterquartiers ist ein einfacher und zweckmässiger Ersatzneubau des in die Jahre gekommenen Bestandsgebäudes aus den 1970er-Jahren. Die Setzung des Winterquartiers am östlichen Parzellenrand, quer zur Rickenstrasse, schafft eine optimale Adressbildung an der südlichen Stirnfassade. Der Bau soll den funktionalen Ansprüchen des Fuhrparks sowie den betrieblichen Abläufen der Werkstätten gerecht werden und zugleich grosszügige Lagerflächen für Requisiten im Estrich bereitstellen. Der Holzbau greift bewusst die Formsprache ländlicher, landwirtschaftlicher Bauten auf und markiert den Übergang von Siedlung zu Landschaft. Das Holztragwerk aus V-Stützen und Trägern überspannt die Halle in Ost-West-Richtung und schafft stützenfreie Fahrgassen für LKWs und Mannschaftswagen des Circus Knie. Das auskragende Vordach rund um das Gebäude schützt die Fassaden und schafft einen überdachten Aussenbereich für die Werkstätten. Die zurückhaltende Holzfassade, die extensive Dachbegrünung sowie gezielte Massnahmen in der Umgebungsgestaltung sorgen für eine angemessene Einbettung des Winterquartiers in die Landschaft.
Effizienz unter einem Dach
Herzstück der Werkstätten ist die zentrale Fahrgasse, welche die Chauffeurwerkstatt, Schreinerei, Schlosserei und Malerei linear miteinander verbindet. Hier werden Fahrzeuge gewartet und repariert; zugleich dient die Gasse dem Aufbau und der Instandsetzung von Bühnen, Manegen und Spezialrequisiten. Ein Doppelobergurt-Portalkran über die gesamte Länge ermöglicht das direkte Handling schwerer Lasten von den Lastwagen. Da der Circus Knie den Fuhrpark vorwiegend im Winter nutzt, wurde das Gebäude in vorgefertigter Holzelementbauweise erstellt. So konnten der Rückbau des Bestandsgebäudes, die Fundation sowie die Fertigstellung der Gebäudehülle innerhalb von nur zehn Monaten zwischen den Winterpausen 2024 und 2025 realisiert werden. Fundation, Bodenplatte, Fassadensockel, Stützensockel und Treppenkern wurden in Massivbauweise ausgeführt, während die übrige Gebäudehülle des beheizten Bereichs aus gedämmten Holzelementen beziehungsweise holzbeplankten Handfalttoren besteht. Das Tragwerk des Gebäudes setzt sich aus markanten V-Streben aus Holz zusammen, die auf vorgefertigten Betonsockeln stehen. Diese wurden mittels Kran millimetergenau per GPS ausgerichtet und einbetoniert. Bereits im Werk integrierte Stahlplatten mit Armierungseisen und Ankermuffen ermöglichten es, die Holz-V-Streben später mit Schwertern formschlüssig zu verbinden und dauerhaft zu fixieren. Das Ergebnis ist ein technisch präzises, funktionales und zugleich gestalterisch prägnantes Tragwerk.
Die Toranlagen des Winterquartiers wurden speziell auf die unterschiedlichen Anforderungen der Fahrzeuge abgestimmt, um eine effiziente Nutzung und optimale Funktionalität zu gewährleisten. In den Werkstätten kommen gedämmte Handfalttore aus Metall mit zweilagiger Holzbeplankung und zentraler Einfahrt zum Einsatz, die Robustheit, bauphysikalische Anforderungen und eine an landwirtschaftliche Bauten erinnernde Optik vereinen. Für den unbeheizten Fuhrparkbereich wurden Holzschiebetore auf Rollen installiert, die zwei Fahrgassen bilden und eine effiziente Parkierung ermöglichen. Die Toranlagen sind massgeschneidert auf Grösse und Nutzung der Fahrzeuge und fügen sich gestalterisch in das Gesamtkonzept ein. Insgesamt wurden 1355 Kubikmeter Holz verbaut – dies entspricht rund 850 Bäumen. Darin enthalten sind 685 Kubikmeter Konstruktionsholz, 375 Kubikmeter für Decken, 250 Kubikmeter Holzwerkstoffplatten sowie 45 Kubikmeter Fassadenbekleidung. Insgesamt 613 vorgefertigte Holzbauelemente (366 Wand- und 247 Dachelemente) wurden auf 44 Pritschen ins Winterquartier geliefert. Das extensiv begrünte Dach des Obergeschosses trägt eine vollflächige Photovoltaikanlage mit einer Fläche von 1119 Quadratmetern und einer Leistung von 247 Kilowattpeak. Damit übertrifft sie die gesetzlich geforderte Mindestleistung um das Zehnfache. Die prognostizierte Jahresproduktion von rund 260 000 Kilowattstunden deckt den Strombedarf von etwa 50 Vierzimmerwohnungen und wird primär für den Eigenbedarf genutzt. Überschüsse werden ins Netz des Elektrizitätswerks Jona-Rapperswil eingespeist, wodurch das Winterquartier einen Beitrag zur regionalen Stromversorgung aus erneuerbaren Quellen leistet.
Das Projekt von raumfindung architekten wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.