Ergänzungsbau heilpädagogisches Schulheim St. Michael
8345 Adetswil,
Schweiz
Veröffentlicht am 15. April 2026
raumfindung architekten gmbh
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Basisdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Haus in der Landschaft
Der Ergänzungsbau des Schulheims St. Michael fügt sich als längliches Volumen in die Landschaft und das bestehende Gebäudeensemble ein. Das Wohnheim steht als Hauptbau mit der Breitseite zum Tal und zeichnet sich durch eine handwerklich fein detaillierte Holzfassade aus. Auf dem massiven Gebäudesockel liegen die Obergeschosse auf, verkleidet mit einem Holzschindelschirm. Die Fassade des Mansardgeschosses ist aus ornamentiertem Schreinerwerk und wird von einer bewegten Dachlandschaft abgeschlossen. Der Neubau übernimmt diese charakterisierenden Prinzipien des Hauptgebäudes und schmiegt sich selbstverständlich an den leicht gegen Westen gedrehten Hang. Die architektonische Gliederung mittels Andeutung eines Dach- oder Mansardgeschosses vermittelt zum südlichen Schulhaus. Der Projektvorschlag bietet eine einfache Grundstruktur als solider Rohling für die tägliche Schulnutzung. Die Gebäudestruktur ist langlebig und nutzungsneutral ausgelegt. Der Projektansatz garantiert eine hohe Flexibilität der Nutzung und den veränderbaren pädagogischen Ansprüchen der Zukunft.
Umgebungsgestaltung und Gebäudezugänge
Der Ergänzungsbau ordnet den bestehenden Schulbereich der Anlage neu und fasst den Vorplatz zu einer qualitätsvollen Adresse mit Pausenhof und gedecktem Vorbereich. Mit dem Ergänzungsbau und der bestehenden Terrassen wird die Hangkante präzise gefasst und räumlich definiert. Der neue Schulhof ist das Bindeglied zwischen Bestand, Neubau und der umliegenden Aussenanlage. Der Neubau ist somit optimal eingebunden. Mit der Neugestaltung des Schulhofes und Setzung markanter Baumpflanzungen werden Schulhof und Gärten konzeptionell zusammengebunden und der Schulhof wird so zum Teil der Gesamtanlage. Die grosszügige Platzfläche mit Baumsetzungen und Rundbänken bietet vielfältige sonnige und schattige Aufenthaltsorte und diversifizierten Raum zum Spielen. Der Neubau ist über alle Geschosse über Ausgänge mit der bestehenden Grünanlage St. Michael verbunden. Der Fussweg der Schülerinnen udn Schüler zwischen dem Hauptgebäude und dem Wohnbereich ist konsequent von den Verkehrsflächen und der Parkierung getrennt. Wege aus Asphalt ermöglichen eine hindernisfreie Mobilität.
Zusammenhängende Nutzflächen in den Obergeschossen
Die Unterrichtszimmer werden gemeinsam mit den zugeordneten Nebenräumen als attraktive zusammenhängende Räume in den Obergeschossen angeboten. Im Grundsatz ist die Anordnung flexibel und den Bedürfnissen anpassbar. Aufgrund dieser Anordnung sind alle Hauptnutzflächen gleichwertig belichtet. Die querliegenden Innenwände sind nichttragend und somit langfristig umbaubar. Diese Grundanordnung garantiert einen maximalen Spielraum für die Umsetzung von unterschiedlichen pädagogischen Unterrichtsformen. Der Lehrerbereich und die Schulleitung sind gut auffindbar neben dem Haupteingang mit Blick auf den Pausenplatz angeordnet. Die Hort- und Aufenthaltsräume sind im Dachgeschoss mit Ausgang zur nahen Spielwiese mit zugehörigem Aussenraum.. Die Hort- und Aufenthaltsräume sind im Dachgeschoss mit Ausgang zur nahen Spielwiese mit zugehörigem Aussenraum.
Statische Struktur und Nutzungsflexibilität
Durch die Grundkonzeption - basierend auf einem einfachen Raster – entsteht im Obergeschoss mit den Schulzimmern ein flexibles System. Die Tragstruktur in den Obergeschossen ist in Holzbauweise konzipiert. Die auftretenden horizontalen Erdbeben- und Windkräfte werden über die Holzkonstruktion und die massive Wanne aus Ortbeton in den Boden abgetragen. Statisch effiziente Holzdeckenelemente überspannen die Spannweiten der Schulzimmer mit einem wirtschaftlichen Achsmass. Die hangseitige Wand, Boden- und Deckenplatte im Erdgeschoss sowie Teile der Querwände der Nebenraumschicht im Obergeschoss werden als monolithisch zusammenhängende Massivbaukonstruktion konzipiert. Damit wird eine dauerhafte und unterhaltsarme Konstruktion zum Auffangen des Hangdrucks geschaffen, welche die Wasserdichtigkeit gewährleistet und die Traglasten gleichmässig auf den Baugrund abtragen kann. Ein verstärkter Riegel verankert das Gebäude zusätzlich gegen den Hang.
Entfluchtung und Brandschutz
Dank der Topografie und der Anordnung der Fluchtausgänge wird jedes Geschoss separat entfluchtet. Diese Ausgangslage ermöglicht es, auf vertikale Fluchtwege zu verzichten, da aus jedem Raum ein Weg in weniger als 35 Meter Distanz direkt ins Freie führt. Das Gebäude ist in die Qualitätssicherungsstufe 1 (QSS1; Gebäude geringer Höhe) einzuordnen. Auf aufwendige bauliche oder technische Massnahmen kann verzichtet werden und der Innenraum und die Korridore können frei möbliert und mit Garderoben ausgestattet werden. Der Ergänzungsbau kann somit ohne vertikalen Fluchtkern und somit ohne kostenintensive Brandschutzanforderungen realisiert werden.
Bewährte Technik für hohe Wirtschaftlichkeit und Nutzkomfort
Zur Erreichung der geforderten Wirtschaftlichkeit werden einfache und bewährte Konzepte für die Lüftung umgesetzt. Ein angemessener Technisierungsgrad spart Erstellungskosten und hält die Unterhaltskosten entsprechend tief. Die Schulzimmer werden über eine mittige Technikschicht erschlossen und ohne horizontale Leitungsführung mit Frischluft versorgt. Im Sommerbetrieb fördert eine zusätzliche Nachtauskühlung über das Dachfenster massgeblich den Nutzkomfort der Schulräume. Diese Massnahmen tragen dazu bei, dass der Neubau nach Minergie zertifiziert werden kann.
Konstruktion als Holzelementbau für eine kurze Bauzeit
Der Neubau ist konstruktiv gemäss den Anforderungen an Minergie konzipiert. Einzig die Bodenplatte, die Fundation, die Gebäudesockel und die beiden Treppenkerne sind in Massivbauweise ausgeführt. Das restliche Bauwerk wurde zeitsparend in präfabrizierter Holzbauweise erstellt. Die absorbierenden Flächen für eine gute Schulzimmerakustik sind direkt in die Hohlkastenelemente der Decken integriert. Die Gebäudehülle ist aus hochgedämmten Holzelementen konstruiert. Die Holzfenster sind mit Isolierverglasung und die Fensterfronten mit mehreren Lüftungsflügeln pro Zimmer bestückt. Der Holzelementbau ist ortsgerecht mit einer langlebigen und hinterlüfteten Holzfassade umhüllt. Ein aussenliegender Sonnenschutz schützt vor sommerlicher Überhitzung und allfälliger Blendung in den Unterrichtsräumen. Dank des Holzelementbaus und der Trockenbauweise war eine kurze Bauzeit und minimale Lärmemissionen für den benachbarten Schulbetrieb möglich.
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Eine Herausforderung der Entwurfsaufgabe war, die historisch gewachsene Gesamtanlage mit starker Topografie mit den Bedürfnissen an maximale Barrierefreiheit einer heilpädagogischen Sonderschule und deren Werk- und Unterrichtsräumen zu verknüpfen. Dem Bauwerk gelingt dies, indem es in allen Geschossen einen direkten ebenerdigen Ausgang bietet und so die unterschiedlichen Ebenen der Aussenanlagen miteinander verbindet. Zugleich ermöglichte dieser Kniff trotz drei Nutzgeschossen auf einen vertikalen Fluchtweg, also ein Brandschutztreppenhaus, zu verzichten und sämtliche Erschliessungsflächen konnten zu qualitätsvollen Aufenthalts- und Garderobenflächen ausgebaut werden. Für den Schulbetrieb entsteht ein flexibel nutzbares Gebäude mit starkem Aussenraumbezug auf jedem Geschoss.
Welche Inspiration liegt diesem Projekt zugrunde?
Der Ergänzungsbau fügt sich als längliches Volumen in die Landschaft und das bestehende Gebäudeensemble ein. Das Wohnheim, ein ehemaliges Erholungshaus aus dem Jahre 1905, steht als Hauptbau mit der Breitseite zum Tal und zeichnet sich durch eine handwerklich fein detaillierte Holzfassade aus. Auf dem massiven Gebäudesockel liegen die Obergeschosse auf, verkleidet mit einem Holzschindelschirm. Das Mansardgeschoss ist aus ornamentiertem Schreinerwerk und wird von einer bewegten Dachlandschaft abgeschlossen. Der Neubau übernimmt diese charakterisierenden Prinzipien des Hauptgebäudes und schmiegt sich selbstverständlich an den leicht gegen Westen gedrehten Hang. Die architektonische Gliederung mittels Andeutung eines Dach- oder Mansardgeschosses vermittelt zum südlichen Schulhaus, trotzdem bleibt es ein einfacher Zweckbau für Werkräume mit landwirtschaftlicher Anmutung.
Das Projekt von raumfindung architekten wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert