Sinnesgarten für Alters- und Pflegeheim Al Pagnolo

 
6924 Sorengo,
Schweiz

Veröffentlicht am 04. August 2026
Enrico Sassi architetto Sagl

Projektdaten

Basisdaten

Lage des Objektes
Via Cremignone 8, 6924 Sorengo, Schweiz
Projektkategorie
Fertigstellung
05.2026

Beschreibung

Das Alters- und Pflegeheim Al Pagnolo betreut ältere Menschen, die auf Pflege, Unterstützung und ein sicheres Umfeld angewiesen sind. Mit der Umgestaltung des bestehenden Aussenraums entsteht ein Sinnesgarten, der gezielt auf die Bedürfnisse der Bewohnenden ausgerichtet ist. Der Garten soll Bewegung, Orientierung und Begegnung ermöglichen und zugleich das körperliche sowie seelische Wohlbefinden fördern. Unterschiedliche Pflanzen, Materialien, Wasser und Düfte schaffen vielfältige Sinneseindrücke und laden dazu ein, die Natur bewusst zu erleben. Die Anlage gliedert sich in zwei charaktervolle Bereiche: einen ebenerdigen unteren Garten auf dem Niveau ± 0.00 m und einen höher gelegenen Garten in Hanglage zwischen +1.80 Meter und +3.20 Meter. Der untere Garten ist unmittelbar mit dem Hauptgebäude verbunden. Ein rechtwinkliges Wegesystem mit rotem Belag und beidseitigen Handläufen fasst den Raum. Im Innern führt ein geschwungener Rundweg aus gelbem, stabilisiertem Kies durch die Bepflanzung. Dieser ermöglicht ein sicheres, selbstbestimmtes Gehen und kommt insbesondere dem Bewegungsdrang von Menschen mit kognitiven Einschränkungen entgegen. Mehrere beschattete Aufenthaltsbereiche mit Tischen und einem Sonnensegel laden zum Verweilen ein.

Ein Teich mit einem rund drei Meter hohen Wasserfall aus Caprino-Stein bildet den atmosphärischen Mittelpunkt des unteren Gartens. Das fliessende Wasser erzeugt beruhigende Geräusche, Lichtreflexe und Bewegung. Koi-Karpfen und Medaka-Fische beleben den Teich und tragen gleichzeitig dazu bei, die Vermehrung von Stechmücken zu begrenzen. Eine Metallpergola begrenzt den unteren Garten auf zwei Seiten. Sie wird mit dornenlosen Kletterpflanzen wie Rosa banksiae, Akebia quinata und Jasminum officinalis begrünt. Entlang der Fassade des Hauptgebäudes führt sie zur Treppe, welche den unteren mit dem oberen Garten verbindet. In die Konstruktion integriert ist ein kleiner verglaster Wintergarten (Jardin d’hiver). Dieser ist sowohl vom Aufenthaltsbereich des Pflegeheims als auch vom Garten zugänglich und ermöglicht es den Bewohnenden, den Aussenraum auch bei ungünstiger Witterung zu erleben. Anlagen für Farb- und Aromatherapie ergänzen das Angebot und fördern Entspannung und Wohlbefinden.

Eine zweite Pergola begleitet die Strasse und bildet eine geschützte räumliche Grenze. Pflanzbeete mit mittelhohen Sträuchern wechseln sich mit Sitzbereichen ab. Die Endmodule der Pergola markieren die Gartenzugänge und sind mit Toren versehen, um die Sicherheit der Bewohnenden zu gewährleisten. Vom südwestlichen Ende der Anlage führt eine sanft ansteigende Rampe in den oberen Garten. Sie wird von einem langen Staudenbeet begleitet, dessen abwechslungsreiche Farben, Blattformen und Texturen den Garten über alle Jahreszeiten hinweg prägen. Der obere Garten besitzt aufgrund seiner Hanglage einen naturnahen, ländlichen Charakter. Er umfasst einen Bereich mit erhöhten Gemüsebeeten sowie einen Obstgarten. Die Wege aus gelbem Kalksteinbelag mit gebrochenem Saltrio-Stein sind mit Handläufen ausgestattet. Ergänzend wurden entlang der Wege physiotherapeutische Bewegungsgeräte installiert, die zur Mobilisierung und zum körperlichen Training anregen.

Im Rahmen der Arbeiten wird auch die bestehende Stützmauer entlang der Parkplätze an der Strasse angepasst. Da sie die Anforderungen an den Absturzschutz nicht erfüllte, wird sie abgesenkt und durch ein vorgelagertes Pflanzbeet ergänzt. Der verbleibende Mauerteil erhält einen Verputz mit farbigen vertikalen Streifen sowie eine Abdeckung aus Naturstein. Die Bepflanzung umfasst zehn Bäume, 402 Sträucher und 832 Stauden. Unterschiedliche Formen, Farben, Grössen und Düfte sorgen für ein abwechslungsreiches Gartenbild. Die Pflanzenauswahl folgt konsequent den Anforderungen eines sicheren Therapiegartens: Giftige, dornige, scharfkantige und hautreizende Arten sind ausgeschlossen. Sämtliche Grünflächen sind robust, pflegeleicht und auf einen geringen Wasserbedarf ausgerichtet. Ein System zur Fassung und Speicherung von Grundwasser stellt die nachhaltige Bewässerung der Anlage sicher.

Das Projekt wurde von Enrico Sassi eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.

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