Eisenbahngarten – Obst- und Gemüsepark der SBB

 
6828 Balerna,
Schweiz

Veröffentlicht am 08. Juni 2026
Enrico Sassi architetto Sagl

Projektdaten

Basisdaten

Lage des Objektes
Via Stazione, 6828 Balerna, Schweiz
Projektkategorie
Fertigstellung
05.2025

Gebäudedaten nach SIA 416

Grundstücksfläche
5680 m²
Nutzfläche
3050 m²

Beschreibung

Lage und Kontext
Das Grundstück Nr. 310 in Balerna gehört den Schweizerische Bundesbahnen (SBB) und befindet sich oberhalb des Tunnels, der eines der Gleise der Bahnlinie überdeckt. Erschlossen wird es über die Via Stazione, wo bereits einige Parkplätze vorhanden sind. Das langgestreckte Grundstück fällt sanft von Norden nach Süden sowie von Osten nach Westen ab: Ein Teil wird von offen geführten Gleisen eingenommen, während der andere Teil als Grünfläche über dem Tunnel liegt. Die Gesamtfläche des Grundstücks beträgt 5680 Quadratmeter. 

Die vom Projekt betroffene Grünfläche umfasst 3050 Quadratmeter und erstreckt sich über rund 100 Meter Länge und 30 Meter Breite. Der Höhenunterschied zwischen dem höchsten Punkt beim Parkplatz und dem tiefsten Punkt im Südwesten beträgt 7,5 Meter. Das Grundstück ist von Einfamilienhäusern umgeben: fünf im Süden und drei im Norden, deren Gärten über Tore und kleine Treppen direkt an den Park anschliessen.

Transformation und Gestaltung
Projekt «Giardino ferroviario» (Eisenbahngarten) verfolgt das Ziel, das Areal in einen Obst- und Gemüsegartenpark umzuwandeln, der einen neuen kommunalen Obstgarten mit einem Bereich für Gemeinschaftsgärten verbindet. Leitmotiv der gesamten Gestaltung ist die ausschliessliche Verwendung von wiederverwendeten Materialien aus dem Eisenbahnbereich. Diese prägen nicht nur das Erscheinungsbild des Parks, sondern machen jeden Eingriff als kreatives Re-Use-Projekt unmittelbar erkennbar.

Der Zugang zum Park erfolgt über die Via Stazione, wo die Parkierungsfläche mit einem wasserdurchlässigen Rasengitterbelag befestigt wurde. Von dort führt eine Fahrstrasse aus stabilisiertem Saltrio-Kalkkies zu den Gärten. Sie ist so ausgelegt, dass kommunale Unterhaltsfahrzeuge die Anlage erreichen können. Vom Parkplatz gelangt man über eine neue Treppe entlang der Umfassungsmauer in den Park. Ihre Stufen bestehen aus wiederverwendeten Steinplatten, den sogenannten «Caracci», während die Handläufe aus alten Schienen gefertigt wurden.

Der Gartenbereich wird von einer ebenfalls aus Schienen hergestellten Metallkante eingefasst. Die Beete befinden sich in SBB-Holzkisten mit den Abmessungen 120 × 240 Zentimeter, die auf Paletten aufgestellt wurden. Der Bodenbelag besteht aus wasserdurchlässigem Saltrio-Kalkkies. Das Areal ist mit einem recycelten orangefarbenen Metallzaun vom Typ «Trelco» eingefriedet, bestehend aus 30 Elementen von 270 × 180 Zentimeter. Abschliessbare Kisten bieten Platz für Gartengeräte. Insgesamt wurden 36 Holzkisten verwendet, davon 26 für Pflanzbeete und Kompostierung. Im Zentrum des Bereichs stehen drei Tische mit Sitzbänken.

Im Bereich der Bepflanzung konnten zwei besonders wertvolle Bäume erhalten werden: eine Edelkastanie (Castanea sativa) und ein Walnussbaum (Juglans regia), ebenso wie zwei Japanische Wollmispeln (Eriobotrya japonica) und zwei Lorbeerbäume (Laurus nobilis). Neu gepflanzt wurden im Park sechs Bäume – fünf Schwarze Maulbeerbäume (Morus nigra) und eine Trauerweide (Salix babylonica). Im Obstgarten kamen zudem 15 weitere Bäume und 26 Sträucher hinzu. An der Schmalseite des Grundstücks oberhalb des Tunnels wurde ausserdem der ursprüngliche Metallzaun wieder freigelegt. Zu den eindrücklichsten Elementen des Parks gehört der Brunnen: Er besteht aus einer vertikal aufgestellten Eisenbahnachse mit zwei Rädern. Das Wasser fliesst vom oberen zum unteren Rad und wird anschliessend über eine Schiene in ein kleines Wasserbecken geleitet. Das herabfallende Wasser erzeugt dabei ein angenehmes Geräusch. Der Rand des Beckens wurde mit wiederverwendeten Steinen gestaltet.

Möblierung und Signaletik vervollständigen den Charakter des Ortes. Die Informationstafeln sind an originalen blauen Metallpfosten mit Edelstahlrohrprofilen befestigt. Die Abfallbehälter entsprechen dem ursprünglichen SBB-Modell aus Edelstahl. Die Tische und Bänke wurden aus Schienen sowie rot-weissen Baustellenlatten gefertigt und erinnern an eine karierte Tischdecke. Die Beleuchtung erfolgt durch einen historischen Metallkandelaber aus dem frühen 20. Jahrhundert, ergänzt durch vier originale Laternen entlang der Zufahrtsstrasse. So entstand ein Park, der seine Geschichte über die verwendeten Materialien erzählt und ausgediente Elemente der Eisenbahn in lebendige Bestandteile eines neuen gemeinschaftlichen Freiraums verwandelt.

Das Projekt wurde von Enrico Sassi architetto hochgeladen und von Nina Farhumand publiziert.

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