Pavillon Tilia

 
8462 Rheinau,
Schweiz

Veröffentlicht am 15. April 2026
Eglin Partner Architekten AG
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026

Die Holzfassade des Pavillons setzt die Materialität der Bestandsbauten fort und fügt sich mit Farbe und Struktur harmonisch in die natürliche Umgebung ein – Blickrichtung «Tilia Wohnen und Beschäftigung» Der Pavillon tritt in einen harmonischen Dialog mit der Natur, fast ganz ohne Eingriffe ins Terrain. Der temporäre Holzmodulbau ruht auf Schraubfundamenten, wodurch die Eingriffe in den Boden minimiert und die bestehenden Bäume erhalten bleiben konnten. Strukturelle Korrespondenz zwischen Fassade und Umgebung Die vertikale Holzschalung mit Deckleisten greift Material und Farbgebung der Nachbargebäude auf und interpretiert sie neu, sodass sich das Gebäude als natürliche Erweiterung in die bestehende Architektur einfügt. – Blickrichtung «Tilia Atelier Miracolo». Sorgfältiger Umgang mit dem Terrain Die «fünfte Fassade» bildet den konsequenten Abschluss eines nachhaltigen Umgangs mit der Umgebung. Der Eingang ist stirnseitig am höchsten Punkt deber Topografie angeordnet. So entstehen minimale Eingriffe in die Umgebung, während der stehende Verbindungsweg als Erschliessung zum Gebäude genutzt werden kann. Der Innenraum ist sehr reduziert gestaltet, mit pflegeleichten Oberflächen, flächenbündig eingelassenen Türen und Fenstern sowie möglichst wenigen Ecken und Vorsprüngen. So entsteht eine ruhige, reizarme Atmosphäre.

Projektdaten

Basisdaten

Lage des Objektes
Alleestrasse 79, 8462 Rheinau, Schweiz
Projektkategorie
Fertigstellung
06.2024
Links

Gebäudedaten nach SIA 416

Stockwerke
1
Anzahl Wohnungen
1
Grundstücksfläche
633 m²
Geschossfläche
141 m²
Nutzfläche
108 m²
Gebäudevolumen
535 m³
Gebäudekosten (BKP 2)
1,3 Mio. CHF
Anzahl Arbeitsplätze
1
Anzahl Betten
1

Beschreibung

Die Gesamtanlage der psychiatrischen Pflegeanstalt ist als Schutzobjekt von überregionaler Bedeutung anerkannt. Für Menschen mit besonders hohem Betreuungsbedarf entstand Mitte 2024 eine eigenständige, sichere und barrierefreie Wohneinheit. Die Räume sind so ausgestattet und eingerichtet, dass Ruhe und Sicherheit unmittelbar spürbar werden. Das Projekt vereint hohe Ansprüche an Funktionalität und therapeutische Betreuung, während es zugleich die historische Bausubstanz und ihre Umgebung mit grösster Sensibilität bewahrt – ein gelungenes Zusammenspiel von Schutz, Fürsorge und Respekt gegenüber dem Kontext. Der Auftrag erfolgt im Rahmen eines Rahmenvertrags und umfasst die Bearbeitung der SIA-Phasen 31 bis 33 sowie die gestalterische Leitung.

Eine leise Setzung im Bestand
Der neue Pavillon des Tilia-Sondersettings tritt in einen harmonischen Dialog mit der Natur, fast ohne Eingriffe ins Terrain. Er fügt sich zwischen die bestehenden Bäume ein und ruht auf Schraubfundamenten, wodurch die Eingriffe in das Erdreich minimal bleiben und die Bäume ungestört erhalten werden können.
Sorgfältig zwischen den Bäumen positioniert, orientiert sich der Pavillon zugleich an den Fluchtlinien der Nachbargebäude und fügt sich so harmonisch in die bestehende Struktur ein. Auf diese Weise ist er zwischen den Bestandsbauten integriert und liegt direkt neben den Wohngruppen.

Materialität
Die Materialität der Bestandsbauten – ihre Textur und Tiefenwirkung – zusammen mit den flächigen, plakativ wirkenden Eingriffen auf den Fassaden bildet den gestalterischen Ausgangspunkt für die Materialstudie des Pavillons. Dies wird hier durch die Holzfassade weitergeführt und spürbar gemacht; so wird das Konzept konsequent weiterentwickelt: Das natürliche Umfeld des Pavillons definiert die Materialität und Farbigkeit, sodass sich Holz und Farbgebung sanft in die Umgebung einfügen und mit ihr verschmelzen.
Die Naturholzleisten, die Textur und Tiefe der Fassade betonen, gewinnen je nach Blickrichtung eine neue Dimension, verdichten sich zu Flächen und treten so in einen kontinuierlichen Dialog mit den Bestandsgebäuden. Die rot eingefärbten Fassadenelemente nehmen Bezug auf die Ziegelbauten und Dächer, werden neu interpretiert und als eigenständige, prägnante Gestaltungselemente in der Fassade umgesetzt, wobei sie bewusst einen Kontrast zur Erdpalette bilden.

Rückzugsort
Im Innenraum steht nicht die Verbindung verschiedener gestalterischer Sprachen im Vordergrund, sondern eine möglichst feinsinnige und zurückhaltende Raumwirkung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Entscheidend ist dabei, die Räume reizarm zu gestalten und gezielt auf die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer abzustimmen.
Die Innenraumgestaltung folgt einer natürlichen Palette aus Holz- und Weisstönen. Oberflächen und Kanten sind so konzipiert, dass Verletzungen vorgebeugt und die Sicherheit der Bewohner gewährleistet wird. Alle Einrichtungen sind fest montiert und vandalensicher ausgeführt. Zusammen mit dem Bereich für das Betreuungspersonal bildet dies eine solide Basis für den Essbereich mit Teeküche sowie die privaten Schlafzimmer, Nasszellen und den Auszeitraum, die den Bewohnern nötige Ruhe und Sicherheit bieten.

Das Projekt wurde von Eglin Partner Architekten für den Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Jørg Himmelreich publiziert.

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