Lernlandschaft The Sphere

 
8620 Wetzikon,
Schweiz

Veröffentlicht am 01. April 2026
Dost Architektur GmbH
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026

The Sphere: Podeste und Gallerien The Sphere: Doppelstöckige Lernlandschaft The Sphere: Ausblick aus einer Lernzone The Sphere: Ausblick aus einer Lernzone The Sphere: Fokusarbeitsplatz und Sichtbezug zum Gang The Sphere: kleiner Teambereich The Sphere: grosser Teambereich The Sphere: Workshopbereich Neuer Pausenraum für Lehrpersonal und Mitarbeiter*innen Vorbereitungsraum The Third Space Sekretariat: Empfangsbereich Fokusraum: Bücherregal mit Sitznischen

Projektdaten

Basisdaten

Lage des Objektes
Schellerstrasse 18, 8620 Wetzikon, Schweiz
Projektkategorie
Fertigstellung
02.2026

Gebäudedaten nach SIA 416

Nutzfläche
800 m²
Anzahl Schüler
99

Beschreibung

Ausgangslage
Der Bestand ist geprägt von hochwertigem Sichtbeton mit Eichenakzenten. Im Zentrum der Obergeschosse liegen zwei Turnhallen, ergänzt durch Fluchtkorridore und zu den Fassaden orientierte Klassenzimmer. Die Analyse zeigt das besondere Potenzial in den unterschiedlichen Raumqualitäten: Kompakte, archaisch wirkende Betonräume für die Klassenzimmer stehen einer grosszügigen, geschossübergreifenden Turnhalle als weitgehend leerem Holzraum gegenüber. Über Sichtbezüge von den Gängen verbindet sie die Geschosse und erzeugt in der ansonsten nüchternen Architektur ein fliessendes Raumgefühl.

Der Entwurf greift diese Gegensätzlichkeit als Spiel von Rückzug und Gemeinschaft auf: Betonräume dienen als Rückzugsorte für SchülerInnen und Lehrpersonen, während die zentral gelegene Turnhalle als Ort der Begegnung den klassischen Frontalunterricht aufbricht. In einer der beiden Turnhallen entsteht eine offene Lernlandschaft. Als vertikal über zwei Geschosse reichender Kern mit Sichtfenstern zu den Gängen im 2. Obergeschoss bietet er ideale Voraussetzungen für The Sphere, das die Raumhöhe und visuellen Verbindungen nutzt, um über die Geschossgrenzen hinweg integrativer Bestandteil des Gebäudes zu werden.

Vorgehensweise
Der Planungsprozess erfolgte in enger Abstimmung mit der Schulleitung und dem Lehrgremium; Erfahrungswerte vergleichbarer Lernräume wie der Loft School Uster flossen in die Konzeption ein und wurden weiterentwickelt. Als temporäre Intervention im Mietobjekt mussten sämtliche Massnahmen mit der Eigentümerschaft koordiniert sowie an das Brandschutz- und Fluchtwegkonzept angepasst werden. Ziel war es, pädagogische Bedürfnisse der heutigen Zeit und die architektonischen Möglichkeiten des Hauses zu verbinden.

Gestalterische Ausführung The Sphere
Der neue vielseitige Bildungsraum vereint pädagogische Innovation mit den baulichen Rahmenbedingungen der Mietfläche. Sämtliche Einbauten wurden leicht, modular und vollständig rückbaubar konzipiert. Ein Augenmerk in der Gestaltung lag auf der Ehrlichkeit und Einfachheit der Materialien. Die neue Lernfläche sollte einen temporären Charakter bekommen, mit maximaler Nutzerflexibilität. Da die Berufsschule nicht die Eigentümerin des Gebäudes ist, war es dem Entwurfsteam wichtig, dass mit der Wiederverwendbarkeit der Materialien nach dem aktuellen Gebrauch geplant und ausgeführt wird. Der elastische Hallenboden wurde durch Birke-Multiplex-Platten geschützt. Neue Einbauten aus Fichtenpfosten und Dreischichtplatten sowie verzinkte Stahltreppen und Geländer bilden eine robuste, gleichzeitig reversible Konstruktion mit optimaler Lastenverteilung. Ergänzende Filzpaneele verbessern die Raumakustik und dienen als Pinnflächen. Die vorhandene Beleuchtung wird weitergenutzt und durch ein gezieltes Lichtkonzept unter den Galerien ergänzt, um eine gleichmässige Ausleuchtung aller Lernbereiche zu gewährleisten.

Gestalterisch prägt ein klares Farb- und Materialkonzept die Atmosphäre. Blau fungiert als Leitfarbe und akzentuiert Wände, Deckenuntersichten und Vorhänge, wodurch die holzdominierte Materialität aufgelockert und ein bewusster Kontrast zur nüchternen Betonarchitektur des Schulgebäudes geschaffen wird. Möbel in gebranntem Orange setzen warme Gegenakzente. Grafische Elemente wie die Buchstabenfolge «S-P-H-E-R-E» übernehmen sowohl Orientierungs- als auch Gestaltungsfunktionen und greifen mit kreisförmigen Motiven das Wassertropfen-Konzept auf und lehnen sich an die ursprüngliche Nutzung des Raums an.

Die Möblierung ist konsequent auf Flexibilität ausgerichtet: höhenverstellbare, klappbare Tische auf Rollen, stapelbare und mobile Stühle, Sitzsäcke, fahrbare Screens sowie Whiteboards und Filzpaneele ermöglichen unterschiedliche Unterrichtsformen. Podeste mit integriertem Stauraum, Stehtische und mobile Elemente erlauben schnelle Umnutzungen; nicht benötigtes Mobiliar kann im ehemaligen Geräteraum verstaut werden. Vorhänge schaffen bei Bedarf abtrennbare Bereiche.

Impact
Der Umbau der ehemaligen Turnhalle zu einer offenen Lernlandschaft schafft einen vielseitigen Bildungsraum, der pädagogische Innovation mit den baulichen Rahmenbedingungen eines Bestandsgebäudes in Einklang bringt. Gleichzeitig wurde ein Teil der bestehenden Räume als Rückzugsorte ausgebaut und einheitlich möbliert. Diese räumliche Gegensätzlichkeit schafft ein Atmen des Gebäudes. Durch The Sphere profitiert die Berufsschule ideal von den Begebenheiten des Gebäudes: ruhige, fokussierende Klassenzimmer für Frontalunterricht und ein Zentrum für gemeinsames Lernen und Weiterentwickeln. Unterschiedliche Lernzonen – für geführtes Lernen, kollaboratives Arbeiten und konzentrierte Einzelarbeit – strukturieren den Raum. Herzstück der neuen Lernlandschaft bildet der zentrale Big Room als gemeinsamer Versammlungsort, von dem aus sich die Lernenden in kleinere Bereiche verteilen. Während die untere Ebene bewusst für kommunikatives, lebendiges Arbeiten konzipiert ist, bieten die Galeriegeschosse ruhige Rückzugsorte für fokussierte Tätigkeiten. Der Raum fördert gezielt Soft Skills wie Selbstverantwortung, Teamarbeit und kreatives Denken – Kompetenzen, die im klassischen Frontalunterricht nur schwer vermittelt werden können.

Die Raumhöhe der Turnhalle wurde durch den doppelstöckigen Eingriff optimal genutzt. Die verschieden hohen Galerien ermöglichen nicht nur Rückzugsmöglichkeiten für fokussiertes Lernen, sondern bieten verschiedene Perspektiven auf den Raum. Die Sichtfenster zum Gang im 2. Obergeschoss wurden bewusst in das Konzept mit einbezogen: Die Bodenhöhen der Galerien nehmen Bezug zu den Sitznischen der Sichtfenster auf der Seite des Gangs und schaffen damit einen spielerischen Umgang mit der Umgebung. Zeitgleich unterstützen diese Berührungspunkte das fliessende, raumübergreifende Gefühl im gesamten Gebäude.

Vision
Die verborgenen Qualitäten des Bestandes wurden identifiziert und herausgearbeitet. Sie sollten durch temporäre Eingriffe an die veränderte Zeit adaptiert werden. Die Turnhalle als zentrale, geschossübergreifende Halle sollte ein Ort für gemeinsames Lernen, Entwickeln und Zusammenkommen werden. Die umliegenden Klassenzimmerstrukturen als Kontrast dazu bieten Halt, Fokus, Klarheit und Ruhe. Zur gesamten architektonischen Intervention gehören der Hauptraum The Sphere, der Fokusraum, das Sekretariat, der Vorbereitungsraum Third Space, der Ruheraum und das Lehrerzimmer. Die Räume für die Mitarbeiter*innen und Lehrer*innen – das Sekretariat, der Third Space und das Lehrerzimmer – werden durch ein zentrales Gestaltungselement verbunden: Ein durchgehendes, modulares Regal zieht sich durch alle drei Räume und kommuniziert die Verbundenheit der Räume, während es gleichzeitig an die verschiedenen Nutzerbedürfnisse adaptiert werden konnte und somit deren Individualität betont. Die Farbe Blau, das Gestaltungselement der Turnhalle, wird hier als Farbakzent zitiert, um eine Verbindung zum Schülerbereich zu schaffen.

Das Projekt von Dost Architektur wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.

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