Wohnhaus Feldstrass
8464 Ellikon am Rhein,
Schweiz
Veröffentlicht am 31. März 2026
Marazzi Reinhardt GmbH
Teilnahme am Swiss Arc Award 2026
Projektdaten
Gebäudedaten nach SIA 416
Beschreibung
Der Neubau besetzt eine prominente Lage am südlichen Dorfeingang der ISOS-geschützten Siedlung und innerhalb der BLN-geschützten Landschaft. Körnung, Volumen und Firstrichtung orientieren sich am Bestand und greifen die rurale Struktur auf. Zwei hierarchisch abgestufte Baukörper fassen zwei Hofräume und vermitteln zwischen öffentlichem Strassen- und privatem Aussenraum. Die Setzung knüpft an ortstypische Siedlungsmuster an und stärkt die räumliche Lesbarkeit des Ensembles. Der Fussabdruck des Hauptgebäudes entspricht den Dimensionen historischer Bauten. Das ruhige, 30 Grad geneigte Satteldach lehnt sich an landwirtschaftliche Scheunen an und ordnet sich den bestehenden Wohnhäusern unter. Der Nebenbau wird selbstverständlich als eigenständiger, untergeordneter Baukörper mit einfachem Pultdach ergänzt.
Eine chaussierte Vorfahrt bindet die Gebäude an den Strassenraum an. Eine niedrige Stützmauer im Osten fasst den Hinterhof und bildet als Fortsetzung des Sockels des Nebengebäudes einen gefassten Vorplatz. Die Südfassade des Schopfes prägt diesen Raum und ist als Hauptfassade des Nebenbaus lesbar. Der Aussenraum gliedert sich in den gekiesten Hof als Vorfahrts- und Verkehrsfläche, die Gartenbereiche als Aufenthaltsräume sowie die weitläufige, naturnahe Baumwiese. Die Dachgestaltung folgt den ortstypischen Vorsprüngen und vorgehängten Dachrinnen. Der traufseitige Dachvorsprung ist mit Ohren und lamellenartigen Streben ausgebildet und verbindet Dach und Baukörper konstruktiv und gestalterisch.
Die Fassaden reagieren differenziert auf ihre Orientierung. Die Nordfassade nimmt den Haupteingang auf. Eine verglaste Fläche mit Holzfilter belichtet das Bad und wahrt gleichzeitig die Privatsphäre. Ein kleines, pragmatisch als metallene Hütte ausgebildetes Vordach verleiht dem Haus eine Adresse. Diese Formgebung findet eine Fortsetzung in der Gestaltung der Aussenleuchten und des Briefkastens. An der Westfassade kaschiert eine verdichtete, schräg geführte Lattung die Verglasung im Obergeschoss und übernimmt zugleich eine konstruktive Funktion als Lastabtragung für die Sparren. Im Erdgeschoss regulieren verstellbare Lamellen Transparenz und Privatheit. Die Ostfassade ist als offene, durchlässige Laubenschicht ausgebildet. Zurückversetzte Verglasungen werden durch Stützen und Lamellen geordnet. An der Südfassade wird die Verglasung zum weiten Landschaftsraum geöffnet und definiert als singuläres Element die Giebelfassade. Im Inneren bleibt die Struktur des Holzbaus ablesbar. Der weite Raster verweist auf die Konstruktion einfacher Holzscheunen. Beton wird zurückhaltend als Bodenplatte und Sockel eingesetzt. Treppe und Feuerstelle sind materialgerecht und skulptural in Beton ausgebildet. Ein überhoher Raum neben der Treppe verbindet die Geschosse und vermittelt den Massstab des Ökonomiebaus, der sich auch an der Fassade zeigt. Der leicht abgesenkte Wohnraum schafft zusätzliche Intimität. Die Organisation folgt einer Erschliessungsachse und der konstruktiven Spannweite. Handwerk und Materialität prägen die Atmosphäre und bleiben sichtbar.
Das Projekt von Marazzi Reinhardt wurde im Rahmen des Swiss Arc Award 2026 eingereicht und von Nina Farhumand publiziert.